Reaktion auf G20-Fahndung Linksextreme veröffentlichen Fotos von Polizisten

Die Hamburger Polizei fahndet nach den Ausschreitungen beim G20-Gipfel öffentlich nach Verdächtigen. Linksextreme kamen den Ermittlern zuvor - und verbreiteten Fotos von Polizisten.

Ausschreitungen bei dem G20-Gipfel in Hamburg
REUTERS

Ausschreitungen bei dem G20-Gipfel in Hamburg


Als Reaktion auf eine große Fahndung nach mutmaßlichen Gewalttätern vom G20-Gipfel in Hamburg haben Linksradikale Fotos von 54 Polizisten veröffentlicht. Gleichzeitig drohten sie den Beamten auf der Internetseite indymedia.org indirekt.

"Wir freuen uns über Hinweise, wo sie wohnen oder privat anzutreffen sind", heißt es in dem Statement. Die Polizeigewerkschaften reagierten entsetzt und sprachen von einer Gefahr durch "linksextremistische Terroristen". Die Gewerkschaft der Polizei nannte die Zeilen "abscheulich". Die andere große Polizistenvertretung, die Deutsche Polizeigewerkschaft, forderte strafrechtliche Konsequenzen.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben laut einem Sprecher 104 Bilder von Verdächtigen veröffentlicht, die während des G20-Gipfels in Hamburg Straftaten verübt haben sollen; auch Videos von Ausschreitungen stellten die Ermittler ins Netz. Die Aufnahmen sind in verschiedene Themenkomplexe aufgeteilt: Plünderungen, Stein- und Flaschenwürfe sowie Straftaten in den Straßen Elbchaussee, Rondenbarg und beim Aufmarsch "G20 Not Welcome!". Laut Staatsanwaltschaft geht es in den meisten Fällen um gefährliche Körperverletzung, schweren Landfriedensbruch oder Brandstiftung.

Nach den Ausschreitungen beim G20-Gipfel Anfang Juli fahndet eine Sonderkommission der Hamburger Polizei mit großem Aufwand nach den Tatverdächtigen. Die 165 Ermittler der Soko "Schwarzer Block" versuchen unter anderem, Verdächtige durch eine systematische Auswertung der bei den Ausschreitungen entstandenen Video- und Fotoaufnahmen zu identifizieren. Einem Sprecher zufolge leitete die Soko bereits 3340 Ermittlungsvorgänge ein.

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SPIEGEL ONLINE

jpz/dpa/AFP



insgesamt 116 Beiträge
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schulz.d 18.12.2017
1.
Ich hoffe, für die gezeigten Polizisten, dass sich so eine Unart stoppen lässt. Sollten die linken Gewalttäter hiermit durchkommen, hätte der Staat, der seine Beamte und somit Befehlsempfänger schützen muss, versagt! Hier wird indirekt wieder mit Gewalt gedroht... Und zeigt die Geisteshaltung derer. Die Straftäter aus der Szene sollten jedoch auch in dieser Form weiter verfolgt werden. Erscheint sinnvoll, sollte aber auch für die rechte Szene und gewaltsuchende Hooligans genutzt werden.
Badener1848 18.12.2017
2.
Gewalt, unabhängig von welcher Seite sie kommt, ist nicht zu rechtfertigen. Die Ausschreitungen durch Linksradikale und Krawalltouristen gehören selbstverständlich aufgeklärt und geahndet. Trotzdem folgen die Polizei-Gewerkschaften hier wieder ihrem üblichen Muster: Während Gewalt durch die Polizei heruntergeredet, geleugnet und abgestritten wird, sollen die Gegner mit den härtesten Mitteln des Rechtsstaats und tlw. verfassungswidrigen Methoden verfolgt werden. Die Aufklärung der Gewalt durch die Polizei bei den G20-Ausschreitungen ist schließlich auch nicht das oberste Ziel der Gewerkschaften. Ganz zu schweigen von einer (anonymen!) Kennzeichnungspflicht der Beamten. Mehr Ehrlichkeit auf beiden Seiten täte hier gut.
g_bec 18.12.2017
3. Hihi.
Coole Aktion, lahme Reaktion der "Gewerkschaften". Locker bleiben, liebe Polizisten. Ihr sitzt am längeren Hebel, habt die Justiz hinter euch und die Instrumente, die Veröffentlicher zu ermitteln. Wieso also rumheulen?
muenchen84 18.12.2017
4. Naja jede Seite veröffentlicht halt ihr Material
sind Polizisten nicht im öffentlichen einsatz in dem moment personen der öffentlichkeit? gefilmt wird auf beiden seiten, transparenz für alle oder?
hup 18.12.2017
5. Spannend ist es schon
Wenn auf den Fotos der Linken klar und deutlich Polizisten zu erkennen sind die massiv Gewalt gegen unbewaffnete und wehrlose Personen ausüben, und auch die Gesichter der Polizisten gut zu erkennen sind, muss die Staatsanwaltschaft, bzw. die Polizei selbst dann nicht automatisch eine Anzeige stellen und Ermittlungen wegen (schwerer) Körperverletzung im Amt aufnehmen und die Fälle untersuchen? Körperverletzung ist ein Offizialdelikt, Beamte sind nicht gegen geltende Gesetze immun im Einsatz. Es ist schon komisch, dass es zwar eine Vermummungsverbot für Demonstrationsteilnehmer gibt, der Staat aber absichtlich darauf verzichtet die Beamten auf einer Demo (natürlich nur intern) indentifizierbar zu machen mit einer erkennbaren individuellen Nummer auf der Uniform (die für jeden Einsatz neu vergeben wird). "Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten", das muss doch insbesondere für die Polizei gelten, oder?
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