G20-Krawalle im Schanzenviertel Hamburgs Polizeipräsident entlastet Rote Flora

Wer waren die Chaoten, die beim G20-Gipfel im Hamburger Schanzenviertel randalierten? Ein internationaler Mob, sagt Hamburgs Polizeipräsident dem SPIEGEL - und nimmt ein linkes Zentrum in Schutz.

Randalierer im Schanzenviertel
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Randalierer im Schanzenviertel


Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sieht hinter den schweren Ausschreitungen und Plünderungen im Hamburger Schanzenviertel einen "internationalen Mob". Das autonome Zentrum Rote Flora, glaubt er, habe keine aktive Rolle gespielt. Das sagte er in einem Interview mit dem SPIEGEL.

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"Ich kann mir nicht vorstellen, dass das aktiv von der Flora ausging. Ich denke, es ist ihnen aus dem Ruder gelaufen", sagte Meyer. Wie bei der Demonstration "Welcome to Hell" habe es im Schanzenviertel vielmehr eine Gruppe gegeben, die jenseits aller Vermittelbarkeit agiert habe: "Sie war nicht steuerbar, nicht von den selbst ernannten Sprechern der Roten Flora, nicht vom Viertel."

Ähnlich sieht Meyer die Täter, die am Morgen des 7. Juli auf der Elbchaussee Autos in Brand setzten: "Sie kamen mutmaßlich aus einer Gruppe, die wir am Rondenbarg gestoppt hatten." Gut 70 Personen seien festgesetzt worden, der Rest sei geflüchtet. Sie hätten auch Ziele angegriffen, "die nichts mehr mit dem zu tun hatten, was in der autonomen Szene vermittelbar ist" - darunter das Auto eines Seniorendienstes. Meyer räumte ein, es habe an diesem Morgen "zu lange gedauert", bis die Polizei erschienen sei. Die Bilder seien für ihn "heute noch schwer zu ertragen".

Über die Ausschreitungen im Schanzenviertel sagte Meyer, er könne das Gefühl der Bürger verstehen, die sich von der Polizei im Stich gelassen fühlten: "Wir haben vielen Bürgern etwas zugemutet, was auch für uns schwer auszuhalten war." Als es zu Plünderungen kam und geräumt werden sollte, wäre es für die regulären Kräfte aber lebensgefährlich gewesen, allein vorzugehen. Deshalb hätten erst Spezialkräfte hinzugeholt werden müssen.

Um die Täter der G20-Krawalle zu finden, hat die Hamburger Polizei eine Sonderkommission "Schwarzer Block" eingerichtet. Dort laufen nach Angaben Meyers derzeit über 3000 Ermittlungsverfahren. Über 30.000 Bild- und Videodateien würden ausgewertet.

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