Ausschreitungen in Hamburg Mehr als 160 Ermittlungsverfahren wegen G20-Krawallen

Ausschreitungen erschütterten während des G20-Gipfels mehrere Hamburger Viertel. Die Staatsanwaltschaft hat Dutzende Verfahren eingeleitet - in vielen Fällen aber keine Tatverdächtigen benannt.

Ausschreitungen im Schanzenviertel (am 8. Juni)
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Ausschreitungen im Schanzenviertel (am 8. Juni)


Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der Ausschreitungen beim G20-Gipfel in mehr als 160 Fällen. Einen Monat nach den Krawallen laufen 109 Verfahren gegen namentlich bekannte Beschuldigte und 53 gegen Unbekannte, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte.

Zu den Vorwürfen gehören Landfriedensbruch, Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung. In Untersuchungshaft sitzen den Angaben zufolge noch 33 Menschen.

Auch gegen Polizisten hatten die Ermittler Verfahren eingeleitet. Mitte Juli hatte die Hamburger Innenbehörde 35 Fälle bestätigt, bei einem Großteil davon ging es dabei demnach um den Verdacht der Körperverletzung im Amt. Kritiker hatten mehrfach moniert, die Polizei sei mit der Lage während des Gipfels überfordert gewesen.

Linke fordern Untersuchungsausschuss

Unterdessen bekräftigte die Fraktion der Linken in der Hamburger Bürgerschaft ihre Forderung nach einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Ihre innenpolitische Sprecherin Christiane Schneider verwies auf Informationen des NDR-Magazins "Panorama" und der "Süddeutschen Zeitung", wonach sich der Bericht des Senats vor dem Innenausschuss über einen Polizeieinsatz gegen G20-Gegner nicht mit einem Polizeivideo dazu in Übereinstimmung bringen lässt.

Die Aufnahmen zeigten, dass aus der Gruppe heraus lediglich drei Bengalos auf die leere Straße geworfen worden seien, während die Polizei ihren Einsatz damit begründet habe, dass ihre Beamten massiv mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik beworfen worden seien.

"Wenn die Darstellung von 'Panorama' und 'Süddeutscher' zutrifft, dann haben wir es nicht nur mit einem mutmaßlich unverhältnismäßigen Polizeieinsatz zu tun, in dessen Folge viele Demonstrierende zum Teil schwer verletzt wurden, sondern auch mit einer Falschaussage des Senats vor dem Innenausschuss", sagte Schneider.

mxw/dpa

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