G20-Gipfel in Hamburg V-Mann des Verfassungsschutzes blockierte Regierungskonvois

Der niedersächsische Verfassungsschutz setzte nach SPIEGEL-Informationen einen Informanten beim G20-Gipfel in Hamburg ein. Dort geriet der inzwischen enttarnte Mann in Konflikt mit der Polizei.

Polizisten und Demonstranten bei G20-Protesten in Hamburg 2017
DPA

Polizisten und Demonstranten bei G20-Protesten in Hamburg 2017


Der im November enttarnte V-Mann des niedersächsischen Verfassungsschutzes ist gemeinsam mit Göttinger Autonomen zum G20-Gipfel nach Hamburg gereist und hat dort mit Straßenblockaden Regierungskonvois behindert. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe unter Verweis auf Zeugenaussagen und interne Dokumente berichtet, war der V-Mann an diversen Aktionen der "Basisdemokratischen Linken" beteiligt, die er für den Verfassungsschutz ausspionierte.

Mit einer Gruppe von sieben oder acht Autonomen fuhr er im Juli 2017 zum G20-Gipfel nach Hamburg. Die Aktivisten trugen Rucksäcke mit Kleidung zum Wechseln. Mal traten sie vermummt in Schwarz auf, mal in bunter Zivilkleidung zu Aktionen wie "Colour the Red Zone". Der V-Mann blockierte Konvois und ließ sich wegtragen. Zweimal wurde er vorübergehend in Gewahrsam genommen, seine Personalien nahm die Polizei aber nicht auf. Anschließend berichtete er dem Verfassungsschutz von den Einsätzen.

Im Video: G20-Ausschreitungen - Als Hamburg brannte

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Wie der SPIEGEL weiter berichtet, sollte der Student in Göttingen eigentlich eine militantere Gruppe unterwandern. Doch dort fand er keinen Zugang. Darum ging er zum öffentlichen "Einstiegsabend" der "Basisdemokratischen Linken", die sich als "post-autonom" und linksradikal bezeichnet, aber noch nicht durch Gewalttaten oder Terror in Erscheinung getreten ist. Im November wurde der V-Mann durch schwerwiegende Fehler des Verfassungsschutzes enttarnt. Präsidentin Maren Brandenburger musste daraufhin ihren Posten räumen.

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gud

insgesamt 76 Beiträge
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Niteftef 04.01.2019
1. Armutszeugnis
Ich schaffe es nicht, eine möglicherweise gewaltbereite Gruppe zu unterwandern, deshalb spioniere ich eben irgendwelche anderen aus, Spionage ist ja auch an sich nichts verwerfliches und sollte nur in begründeten Einzelfällen verwendet werden und dann mache ich in offiziellem Auftrag das, was ich verhindern soll... Da hilft nur noch eins: Verfassungsschutz verbieten!
GeneralK 04.01.2019
2.
Wie soll man denn als verdeckter Ermittler arbeiten ohne bei den Organisationen alles mitzumachen und dadurch glaubwürdig zu wirken... Nach dem was hier beschrieben wurde hat der V-Mann doch alles richtig gemacht, vorderste Reihe und von der Polizei wegtragen lassen. Vor ein paar Wochen einen interessanten Artikel gelesen, dass deutsche Behörden in internationalen Ermittlungen immer ein riesen Hemmschuh sind, weil für Ermittlungen keine noch so kleinen Straftaten begangen werden dürfen, auch nicht zum Schein...
tiger-li 04.01.2019
3. Uuoooo! Welche Erkenntniss
Das ist wirklich Wichtig! Sich in eine Gruppe einzuschleusen, die sich auf die Straße hockt! Wahnsinn! Welche Gesellschaftlichen Gefahren da infiltriert werden! Da waren sicher auch die linksextremen der SPD dabei.... Die haben doch echt n Rad ab!
frank57 04.01.2019
4. Eigentlich
sind dann durch solche Leite quasi False Flag organisiert worden! Was für ein Staasistaat!
Jean Pierre Hintze 04.01.2019
5. Ehrenmann
Der V-Mann hat durchaus gemäß Auftrag gehandelt und passiv an Aktionen teilgenommen. Im Übrigen helfen solche V-Leute aktiv mit, die Verfassung und die FDGO zu schützen und politische Gewalttäter zu identifizieren. Als Journalist hinterfrage ich eigentlich keine funktionierenden Systeme, sondern die Ursachen, die solche Maßnahmen erfordern. Es sei denn, ich halte nichts von Demokratie und Rechtsstaat...
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