G20-Ausschreitungen Haftbefehl gegen Fabio V. aufgehoben

Er soll bei den Krawallen um den G20-Gipfel in Hamburg Mitläufer gewesen sein: Deshalb ist Fabio V. angeklagt. Der Haftbefehl gegen ihn wurde jetzt aufgehoben.


Das Amtsgericht Hamburg-Altona hat den Haftbefehl gegen Fabio V., der sich im Zusammenhang mit Ausschreitungen während des G20-Gipfels verantworten muss, aufgehoben. Das bedeutet, dass der 19-Jährige sich nicht mehr an bestimmte Auflagen halten muss, wie ein Sprecher des Gerichts dem SPIEGEL bestätigte.

Fabio V. hatte mehrere Monate in Untersuchungshaft verbracht und war Ende November gegen strenge Auflagen auf freien Fuß gekommen. Der Haftbefehl war zunächst lediglich ausgesetzt worden. Fabio V. musste im Gegenzug 10.000 Euro Kaution hinterlegen und sich mehrfach pro Woche bei der Polizei melden. Mit der Aufhebung des Haftbefehls entfallen diese Auflagen.

Wie der Gerichtssprecher sagte, habe sich V. an alle Auflagen gehalten. Damit entfalle die Fluchtgefahr, die Anlass für den Haftbefehl gewesen sei. Darüber hinaus sei nach dem Verlauf des Prozesses nicht damit zu rechnen, dass Fabio V. zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt werde. Vor diesem Hintergrund sei Untersuchungshaft für den 19-Jährigen unverhältnismäßig.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, man werde keine Beschwerde gegen die Entscheidung des Amtsgerichts einlegen. Ein entscheidender Grund sei, dass der Italiener seit dem 1. Januar auch in Hamburg gemeldet sei.

Angriffe "mit seinem Wissen und seiner Billigung"

Das Verfahren gegen V. gilt im Zusammenhang mit den Ausschreitungen während des G20-Gipfels in Hamburg im Sommer 2017 in gewisser Weise als Präzedenzfall.

Der Mann aus Norditalien war am 7. Juli 2017 festgenommen worden, als die Polizei eine Demonstration von mehr als 70 Teilnehmern gewaltsam auflöste. Aus diesem Demonstrationszug des schwarzen Blocks sollen Steine und Pyrotechnik auf Polizisten geflogen sein. Die Beamten gingen hart gegen die G20-Gegner vor. Sie nahmen 73 von ihnen fest, 14 erlitten im Chaos zum Teil schwere Verletzungen.

Mitschuld an der Eskalation sind aus Sicht der Ermittler Aktivisten wie V. Sie können ihm selbst zwar keine gewalttätige Aktionen nachweisen, aber laut Anklageschrift kam es zu den Angriffen "mit seinem Wissen und seiner Billigung". Die Staatsanwaltschaft wirft V. deshalb schweren Landfriedensbruch, versuchte gefährliche Körperverletzung und einen tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte vor.

fok/sms



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