Mutmaßlicher Laserpointer-Angriff bei G20-Gipfel Staatsanwaltschaft fordert Bewährungsstrafe

Mit einem Laserpointer soll ein Mann während des G20-Gipfels Insassen eines Polizeihubschraubers geblendet haben. Die Staatsanwaltschaft fordert dafür eine Bewährungsstrafe - die Verteidigung wirft den Polizisten Lüge vor.

Der Angeklagte und sein Anwalt Oliver Klostermann im Amtsgericht Altona (Archivfoto)
DPA

Der Angeklagte und sein Anwalt Oliver Klostermann im Amtsgericht Altona (Archivfoto)


Am Abend des 6. Juli 2017 kreisten über Hamburg Polizeihubschrauber - es war der Vorabend des G20-Gipfels in der Stadt. Ein Mann soll damals im Stadtteil Altona aus seiner Dachgeschosswohnung heraus einen Laserpointer auf einen Hubschrauber gerichtet haben, der in 400 Metern Höhe flog. Dabei soll er den Piloten und den Copiloten geblendet haben.

Die Staatsanwaltschaft wertet das als versuchten gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr und gefährliche Körperverletzung - und hat nun vor dem Amtsgericht Altona eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung für den 27-Jährigen gefordert.

Der Laserstrahl soll die Männer an Bord der "Libelle 2" so geblendet haben, dass sie mehrere Sekunden nichts sehen konnten. Der Pilot sagte, er habe den Helikopter aus dem Laserstrahl weggedreht, wodurch der Hubschrauber in eine Vorwärtsbewegung überging und 60 bis 90 Meter an Höhe verloren habe.

Die Verteidigung sieht die Sache komplett anders. Sie forderte, ihren Mandanten freizusprechen und bezeichnete die Zeugenaussagen der Hubschrauberpiloten als "erstunken und erlogen". Die "taz" hatte unter Berufung einen rechtlichen Hinweis des Gerichts berichtet, dieses sei nicht einmal mehr mit der erforderlichen Sicherheit davon überzeugt, dass Pilot und Copilot überhaupt von einem Laserstrahl getroffen worden seien. Ein Gerichtssprecher bestätigte dies auf Anfrage.

Zunächst war dem Angeklagten versuchter Mord vorgeworfen worden. Bei einer Haftprüfung sah das Landgericht aber keine Anhaltspunkte dafür, dass der Angeklagte einen Absturz des Hubschraubers und damit den Tod der Besatzung billigend in Kauf genommen hätte. Schon zum Prozessauftakt hatte der Verteidiger Staatsanwaltschaft und der Soko "schwarzer Block" vorgeworfen, den Angeklagten zu Unrecht in einen Zusammenhang mit den gewaltsamen Auseinandersetzungen bei dem G20-Gipfel zu bringen.

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt. Ob dann bereits das Urteil fällt, ist dem Gerichtssprecher zufolge unklar.

Az. 326b Ls 68/17

ulz/dpa

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