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Gefälschte Behördenbriefe: Fremdenhasser schüren gezielt Angst vor Enteignung

Platznot: In Eisenhüttenstadt übernachten Asylbewerber in Zelten Zur Großansicht
DPA

Platznot: In Eisenhüttenstadt übernachten Asylbewerber in Zelten

Mit täuschend echten Behördenschreiben wollen Fremdenhasser in Ostdeutschland diffuse Ängste der Einwohner wecken. In den Briefen werden Enteignungen und Zwangseinquartierungen von Flüchtlingen angekündigt.

Das Schreiben, das womöglich Hunderte im brandenburgischen Hennigsdorf am Morgen in ihrem Briefkasten fanden, kam hochoffiziell daher. Im Briefkopf das Logo des Landkreises Oberhavel, der Stil behördlich nüchtern, die Adressdaten alle korrekt. Selbst die Unterschrift des zuständigen Mitarbeiters wirkte täuschend echt.

In Wahrheit war das Schreiben eine Fälschung.

Die "sehr geehrten Damen und Herren" hätten ja sicher davon gelesen, so hieß es da, dass es die Region nicht mehr schaffe, die wachsende Zahl von Asylbewerbern unterzubringen. Daher wolle der Landkreis nun prüfen, wieviel Platz es in Privatwohnungen gebe.

"In der Regel reichen zwölf Quadratmeter Wohnraum je Person. Sollten Sie derzeit mehr Wohnraum je Person zur Verfügung haben, teilen Sie dies bitte umgehend dem Fachdienst mit." Es sei "gegebenenfalls" die Unterbringung von Asylbewerbern "in Ihrer Wohnung" notwendig.

Appell an die Einwohner

Es folgte eine Beispielrechnung und eine Bitte um Verständnis. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Allein in einem Zeitraum von zwei Stunden erhielt der zuständige Mitarbeiter 40 bis 50 Anrufe von aufgebrachten Bürgern.

Landrat Ludger Weskamp wandte sich mit klaren Worten an die Öffentlichkeit. "Das ist eine ganz perfide Methode, die Bemühungen des Landkreises bei der Unterbringung von Asylbewerbern zu unterlaufen", sagte er. "Rechte Kreise versuchen, auf diese Art und Weise die Arbeit der Verwaltung lahmzulegen."

Er bitte die Menschen darum, sich nicht in die Irre führen zu lassen. "Die Mehrheit unserer Gemeinschaft wird sich auch von dieser Spielart menschenverachtender Machenschaften nicht beeindrucken lassen." Die Situation bei der Unterbringung sei angespannt. Beschlagnahmungen aber seien nicht geplant.

Dass es sich um eine gezielte Aktion von Ausländerfeinden handelt, legt auch die Tatsache nahe, dass in Dresden ein gleichlautender Brief kursierte. Nach Angaben von Radio Dresden verteilten Unbekannte die Schreiben im Bereich Karlsruher Straße. Auch hier waren Briefkopf und Namen der zuständigen Mitarbeiterin nahezu perfekt gefälscht.

In beiden Fällen ermittelt jetzt die Polizei.

sms

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