China: Deutscher Spediteur vorläufig aus Haft entlassen

Vier Monate saß ein deutscher Kunstspediteur in einem Gefängnis in China, er soll den Zoll um mehr als eine Million Euro geprellt haben. Trotz anhaltender Proteste hatte die Regierung in Peking die Inhaftierung verteidigt. Nun kommt Nils Jennrich frei - vorläufig.

Kunstspediteur Nils Jennrich (undatiertes Privatfoto): Haftentlassung gegen Auflagen Zur Großansicht
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Kunstspediteur Nils Jennrich (undatiertes Privatfoto): Haftentlassung gegen Auflagen

Peking - Er soll umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben: Seit Ende März sitzt der deutsche Kunstspediteur Nils Jennrich in einem chinesischen Gefängnis. Nun hat das Auswärtige Amt in Berlin mitgeteilt, dass er gegen Auflagen vorübergehend aus der Haft freigekommen sei. Die Ermittlungen gegen den 31-Jährigen liefen jedoch weiter.

Jennrich stammt aus Rendsburg in Schleswig-Holstein und arbeitet als Manager für die deutsche Kunstspedition Integrated Fine Art Solutions (IFAS). Die chinesischen Behörden werfen ihm nach Angaben seiner Anwältin Nancy Murphy vor, den Wert von nach China eingeführten Kunstwerken bewusst niedrig angegeben und so Steuern hinterzogen zu haben. Dafür droht eine lebenslange Haftstrafe. Die chinesischen Ermittler haben Murphy zufolge nun bis Dezember Zeit, ihre Anschuldigungen gegen den jungen Deutschen vor der zuständigen Behörde zu untermauern.

In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Proteste gegen Jennrichs Inhaftierung gegeben. Die Vorwürfe gegen ihn waren vage formuliert, beispielsweise gab der Zoll nicht bekannt, um welche Lieferungen es sich genau gehandelt haben soll. Branchenkenner sahen einen Zusammenhang zwischen Jennrichs Haft und der laufenden Kampagne der Behörden gegen reiche Chinesen, die mit Kunstobjekten Steuern hinterziehen.

Der Fall hatte auch für Irritationen im Verhältnis zwischen Deutschland und China gesorgt. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bezeichnete die Haftbedingungen als "inakzeptabel", sie entsprächen "nicht den international gültigen Mindeststandards". Vertreter der deutschen Botschaft in Peking und Jennrichs Anwälte durften ihn zwar im Gefängnis besuchen, aber nicht mit ihm über seinen Fall reden. Die Versuche der Botschaft, seine Haftbedingungen zu verbessern oder ihn zumindest auf Kaution freizubekommen, waren bisher an den Behörden gescheitert.

aar/AFP

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