Geiger Stefan Arzberger Die rätselhafte Gewalttat im Hudson Hotel

In der Nacht zum 27. März soll der Profi-Geiger Stefan Arzberger im New Yorker Hudson Hotel eine 64 Jahre alte Frau angegriffen haben. Er hat keine Erinnerung, keine Erklärung. SPIEGEL TV ist mit Arzberger auf Spurensuche gegangen.

SPIEGEL TV

Von Karin Assmann, New York


Sicher, er trifft sich gern mit mir. Nur die Einzelheiten seiner Geschichte, die darf er nicht mit mir teilen. Auf Anordnung seiner Anwälte. Keine guten Voraussetzungen, aber wir verabreden uns in einem Restaurant an der Grand Central Station. Es ist laut, er ist spät dran.

Was soll man erwarten von einem Mann, der bis vor wenigen Wochen ein angesehener Musiker war und der heute ohne feste Bleibe, mit kleinem Reisegepäck und seiner Geige durch Manhattan läuft?

Gebeutelt sieht Stefan Arzberger keineswegs aus. Der 42-Jährige spielt seit Jahren die erste Geige im Leipziger Streichquartett. Er ist 1,93 Meter groß und läuft mit auffallend geradem Rücken. Den Rucksack trägt er mit beiden Schlaufen über die Schultern, fast wie ein Schuljunge.

Das Gespräch läuft zäh, aber er ist froh, sich mal wieder auf Deutsch zu unterhalten. Nichts preisgeben zu dürfen, das fällt ihm schwer. Und geht nicht lange gut. Im Tellergeklapper und Gelächter verirrt sich vielleicht die eine oder andere Information über die fünf Stunden am frühen Morgen des 27. März. Es sind Stunden, die mit einem Akt der Gewalt enden. Stunden, so sagt er, an die er sich nicht erinnern kann. Und von denen er inzwischen doch einiges weiß: Durch Aufnahmen von Überwachungskameras, die eine Prostituierte zeigen. Und durch die Aussagen einer 64-Jährigen: Pam Robinson, seinem Opfer.

Zwei Menschenleben seien zerstört worden

Ich treffe Pam Robinson ein paar Wochen später unter ähnlichen Umständen. Wieder warte ich in einem Restaurant. Diesmal in einem Einkaufszentrum in North Carolina. Es hat gerade eines dieser tropischen Gewitter gegeben. Sie ist nervös, wirkt verhuscht, als sie an die Bar kommt. Sie erzählt viel über ihr Leben. Mehr als dreißig Jahre war sie Flugbegleiterin. Sie kennt sich aus in der Welt und ich kann mir vorstellen, wie sie lächelnd den Passagieren beim Aussteigen einen schönen Aufenthalt in Paris wünscht.

Nach New York, ihrer alten Heimat, war sie gekommen, um dem Alltag zu entkommen. Ihr Mann ist zehn Jahre älter als sie und reist nur ungern. Das Leben in der Provinz erdrückt sie. Vielleicht ist sie gerade deshalb so erschüttert. Sie kann sich nicht verzeihen, dass sie ihm die Tür aufgemacht hat, diesem großen, nackten Mann, der sie wortlos anstarrte und ihr mit seinen riesigen Händen an den Hals ging.

Zwei Menschenleben seien an diesem Morgen zerstört worden, schreibt sie mir später. Sie weint. So wie er, der versucht herauszufinden, was in dieser Nacht mit ihm geschah.

Einige Wochen nach unserem ersten Treffen begleiten wir ihn mit der Kamera in New York. Um zu erfahren, was er bei seiner Spurensuche entdeckt hat.

Sehen Sie die ganze Geschichte bei SPIEGEL TV Magazin, Sonntag 22.30 Uhr auf RTL.



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