Geiseldrama von Gladbeck: Gutachter gegen Freilassung von Degowski

Geiselnehmer Degowski (1988 mit Geisel Silke Bischoff): Intellektuell nicht therapiefähig Zur Großansicht
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Geiselnehmer Degowski (1988 mit Geisel Silke Bischoff): Intellektuell nicht therapiefähig

Die Gladbecker Geiselgangster Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner sitzen seit fast 25 Jahren hinter Gittern. Degowskis Chancen, bald das Gefängnis zu verlassen, sind jetzt rapide gesunken: Ein Gutachter sprach sich gegen eine Freilassung aus.

Werl - Der Mörder und Geiselnehmer Dieter Degowski wird den 25. Jahrestag des Gladbecker Geiseldramas wohl hinter Gittern verbringen. Zwar hat Degowski seine Mindesthaftzeit inzwischen verbüßt, am kommenden Mittwoch soll ein Haftprüfungstermin stattfinden. Der psychiatrische Gutachter hat sich aber bereits gegen eine Freilassung ausgesprochen. Justizkreise bestätigten entsprechende Informationen der "Rheinischen Post".

Degowski sei zwar therapiewillig, aber intellektuell nicht therapiefähig. Der Gutachter, Psychiater Norbert Leygraf, habe empfohlen, den 57-Jährigen nun in einer mehrjährigen Prozedur auf seine Entlassung vorzubereiten. Es gilt als unwahrscheinlich, dass sich das Gericht über das Gutachten hinwegsetzt. Degowski sitzt im Gefängnis in Werl, sein Komplize Hans-Jürgen Rösner in Aachen.

Rösners Anwalt Rainer Dietz kämpft derzeit in mehreren Verfahren um Vollzugslockerungen für seinen Mandanten, dessen Mindesthaftdauer noch andauert. "Wie man mit ihm umgeht, ist schon besonders. Niemand spricht mit ihm", sagte Dietz.

Komplize Rösner inzwischen verlobt

Es sei auch nicht richtig, dass Rösner therapieunwillig sei, wie in den Akten behauptet werde. Er wolle sich lediglich nicht zu einer Gruppentherapie in einen Kreis mit Kinderschändern setzen. Einer Einzeltherapie würde Rösner sofort zustimmen, sagte Dietz.

Rösner ist inzwischen verlobt. Einen Hochzeitsantrag habe er aber nicht gestellt, sagte ein Sprecher des NRW-Justizministeriums.

Das Gladbecker Geiseldrama gilt als spektakulärste Geiselnahme in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Täter waren vom 16. bis 18. August 1988 mit ihren Geiseln durch mehrere Bundesländer und die Niederlande gefahren.

Zwei Geiseln und ein Polizist starben, mehrere Menschen wurden verletzt. Polizei und Medien gerieten nach der Irrfahrt der Gangster in die Kritik: Der Deutsche Presserat verbot als direkte Folge in seinem Kodex Interviews mit Straftätern während des Tatgeschehens. Der Bremer Innensenator Bernd Meyer trat wegen Polizeifehlern zurück. Untersuchungsausschüsse in Bremen und Düsseldorf beschäftigten sich kritisch mit dem Vorgehen der Polizei.

rls/dpa

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