Geiselgangster-Prozess Knastausbrecher Heckhoff legt Geständnis ab

Jetzt hat auch Michael Heckhoff gestanden: "Die Anklage ist im Wesentlichen richtig", sagte der Schwerverbrecher, der zusammen mit Peter Paul Michalski aus dem Aachener Gefängnis geflohen war und mehrere Geiseln genommen hatte.

dpa

Aachen - Der Schwerverbrecher Michael Heckhoff hat als dritter und letzter Angeklagter im Aachener Ausbrecher-Prozess ein Geständnis abgelegt. "Die Anklage ist im wesentlichen richtig", sagte der 51-Jährige vor dem Aachener Landgericht. Geiselgangster Heckhoff war vor einem halben Jahr mit seinem Knast- Kumpel, dem Mörder Peter Paul Michalski, 47, ausgebrochen und hatte auf der tagelangen Flucht sieben Geiseln genommen.

Geholfen hatte den beiden ein Vollzugsbeamter, der ebenfalls vor Gericht steht. In seinem Geständnis beschrieb Heckhoff angebliche Missstände in der JVA Aachen. Bis zur Flucht der beiden galt die JVA als ausbruchsicher.

Der Vollzug habe ihm keine Perspektive gegeben, begründete Heckhoff die Flucht. Vor seiner Verlegung nach Aachen habe die Strafvollzugskammer Köln den Beschluss gefasst, 2014 die Entlassung zu prüfen oder den offenen Vollzug. "Von all dem, was in Köln geplant war, war in Aachen nicht mehr viel zu sehen", sagte er. Ausführungen seien gestrichen worden, bei der Wohngruppe habe er keine Chance gehabt und der für ihn Beschluss der Kölner Kammer sei in irgendeiner alten Akte verschwunden. "Der ist ad acta gelegt worden, damit man ihn nicht mehr findet."

"Aachen sollte ein Schritt nach vorn sein, am Ende war es ein Arschtritt", sagte Heckhoff. "Ich hätte gerne mal von Verantwortlichen gehört, wie es weitergeht", sagte der Gangster, der wegen früherer Taten zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt ist.

Ein Vollzugsbeamter habe ihm in Aachen illegal seine Personalakte verschafft. Derselbe Mann sei mit eingeschaltetem Handy in eine Besprechung gegangen, so dass Heckhoff mithören konnte, was über ihn gesagt wurde. Der "grüne Kollege" habe das gemacht, "weil das ein Beamter war, dem ich Geschäfte vermittelt habe. Der unzufrieden mit seinem Chef war und der frustriert war."

Die Aachener JVA-Beamten traf die Flucht der Schwerverbrecher offensichtlich unvorbereitet. Ein Beamter sagte aus, dass es keinerlei Dienstanweisungen oder empfohlene Verhaltensweisen für einen solchen Fall gebe. Zu den Arbeitsumständen befragt, sagte der Zeuge, er habe allein im Monat Mai 50 Überstunden gemacht. Zu weiteren Umständen seiner Arbeit äußerte er sich nur zögerlich.

Michalskis Anwalt Andreas Chlosta kommentierte das Verhalten scharf: "Ich sage Ihnen, dass Sie mauern und Sie verhindern, dass wir uns einen Eindruck über die Umstände des Ausbruchs verschaffen." Eine Mitarbeiterin des Justizministeriums beobachtete den Prozess. Von den 45 geladenen Zeugen sind über zehn Vollzugsbeamte.

otr/dpa/ddp



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Join_Me 28.05.2010
1. Kein Wunder
Frustrierte Mitarbeiter, sei es durch massive Überstunden oder einem cholerischem Chef, haben schon immer dazu geführt, dass ein System einstürzt. Mich wundert nicht, dass ein Vollzugsbeamter da auf dumme Ideen kommt und Häftlingen hilft. Wahrscheinlich werden die Überstunden nicht vergütet oder als Freizeitausgleich gegeben, sondern irgendwann einfach "wegrationalisiert", so dass die Überstunden für die Katz sind. Das die beiden Schwerverbrecher jetzt ihr leben lang hinter schwedischen Gardinen sitzen werden ist wohl selbstverständlich. Sollte der Vorwurf der "Willkür" stimmen, und die Akten manipuliert worden sein, sollten die Verantwortlichen auch bestraft und entlassen werden.
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