Geiselnahme im Jemen Wie Peter Schurz seine Entführung erlebte

Drei Tage lang war der Österreicher Peter Schurz zusammen mit seiner Partnerin als Geisel im Jemen gefangen. Im österreichischen Rundfunk berichtete der Architektur-Professor über seine Erfahrungen mit den Entführern.


Wien - Die beiden befreiten Österreicher, der 52-jährige Kärntner Peter Schurz und seine Begleiterin, die 31-jährige oststeirische Studentin Barbara Meisterhofer, waren am Mittwoch vergangener Woche in der nordost-jemenitischen Provinz Marib entführt worden. Am 24. Dezember waren sie freigelassen worden. Nach Angaben jemenitischer Diplomaten sei kein Lösegeld gezahlt und keinerlei politische Forderung erfüllt worden. Ähnlich wie im Fall der bis vor wenigen Tagen im Irak verschleppten Deutschen Susanne Osthoff kehrten Schurz und Meisterhofer nach ihrer Freilassung nicht direkt in die Heimat zurück, sondern blieben im Land.

Freigelassene Österreicher Peter Schurz und Barbara Meisterhofer
AFP

Freigelassene Österreicher Peter Schurz und Barbara Meisterhofer

In einem Interview mit dem Rundfunksender ORF sagte Schurz, er habe im Nachhinein Verständnis für seine Entführer. Die Menschen im Jemen würden in großer Armut leben. Dennoch seien er und seine Begleiterin höflich und gut behandelt worden. Wie Gäste habe man sie "richtig aufgenommen". Ihre Entführung sei eher abenteuerlich als schockierend gewesen.

Schurz und Meisterhofer waren während einer Fahrt in der Wüste Shaqua überfallen worden. "Wir sind uns vorgekommen wie in einem schlechten Film", schilderte Schurz die Entführung. Wegen der zahlreichen Straßensperren und der schlechten Fahrbahn seien Fahrzeuge im Jemen oft zum Langsamfahren gezwungen. Auf einer solchen Strecke war es dann zum Überfall gekommen: An einer Straßenblockade mitten in der Wüste seien die beiden von vier bis auf die Zähne bewaffneten jungen Männern aus ihrem Jeep gezerrt worden.

Zwischen sechs und sieben Stunden lang mussten die beiden Österreicher Schurz zufolge mit ihren Entführer marschieren: "Es war ein herrlicher Sternenhimmel, ein Erlebnis." Schließlich seien sie in einem Gebäude untergebracht worden, wo zum ersten Mal Licht gemacht worden sei. Dort seien sie dann versorgt worden. "Auf einmal sind sechs bis sieben Frauen aufgetaucht, man sieht ja sonst keine Frauen im Jemen. Alle waren sehr freundlich", berichtete Schurz. "Sie haben für uns gekocht, haben ihre Babys gebracht und sie uns aufs Bett gelegt." In den folgenden drei Tagen seien sie immer wieder an neue Orte gebracht worden. Sie seien immer in der Nacht verlegt worden, berichtete Schurz.

Die Entführer, laut Peter Schurz Angehörige eines Beduinenstammes, hätten sie sehr zuvorkommend und höflich behandelt. Man habe ihnen ausreichend zu essen und zu trinken gegeben. Verständigt habe man sich mit Händen und Füßen, sagte der Grazer Uni-Professor. Er habe außerdem den Eindruck gehabt, dass die Entführer teilweise ängstlicher und nervöser gewesen seien als er und seine Reisegefährtin.

Die Freilassung sei dann in Etappen passiert, sagte Schurz. "Zwischen drei Uhr und halb vier mussten wir raus aus dem Gebäude, das musste alles sehr schnell gehen", schilderte der gebürtige Kärntner. Meisterhofer und er hätten schließlich nur noch wenige Meter vom Auto ihrer Entführer zum Auto der Befreier zurücklegen müssen, dann seien sie frei gewesen.



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