Bayern: Geiselnahme im Rathaus von Ingolstadt beendet

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hat eine fast neunstündige Geiselnahme im Ingolstädter Rathaus beendet. Laut Angaben der Polizei kamen die beiden letzten Geiseln unverletzt frei. Der Täter wurde verletzt.

Ingolstadt - Am frühen Abend ist es gelungen, zwei in der Gewalt eines 24-jährigen Mannes befindliche Geiseln zu befreien, die im Rathaus von Ingolstadt festgehalten worden waren. Laut Angaben der Polizei konnten der Mann und die Frau gegen 17.50 Uhr unverletzt aus dem Gebäude gebracht werden. Der Täter selbst wurde demnach von Schüssen an Schulter und Bein getroffen.

Offenbar hatte sich die Situation am späten Nachmittag zuspitzt, so dass die Polizei sich für einen Einsatz des SEK entschied, das seit den Vormittagsstunden am Rathaus auf einen Einsatz gewartet hatte. Wie Polizeivizepräsident Günther Gietl sagte, verhandelten die Beamten zuvor viele Stunden lang mit dem Täter. "Wir haben auf Zeit spielen können und das bewusst genutzt."

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Ingolstädter Rathaus: Geiselnahme beendet
Noch kurz vor der Befreiung der letzten beiden Geiseln war der Psychiater des 24-jährigen Tatverdächtigen ins Rathaus von Ingolstadt gekommen, um mit seinem Patienten zu reden. Der als Stalker aktenkundige Mann hatte zunächst drei Menschen in seine Gewalt gebracht, von denen einer, der Dritte Bürgermeister der Stadt, Sepp Mißlbeck, nach fünf Stunden gehen konnte.

Der Täter war mit einer Pistole und einem Messer bewaffnet. Die Schusswaffe stellte sich später als Attrappe heraus.

Laut Gerichtsgutachter keine schwere Straftat zu erwarten

Der vorbestrafte 24-Jährige soll einer Rathausmitarbeiterin, die ebenfalls unter den Geiseln war, seit über einem Jahr massiv nachgestellt haben. Bei der 25-Jährigen soll es sich laut "Bild"-Zeitung um die Sekretärin von Sepp Mißlbeck handeln, bei der dritten Geisel um einen städtischen Beschwerdemanager.

Erst Ende Juli war der Geiselnehmer wegen Stalkings, Beleidigung und Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Dies sagte der leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walter. Laut einem Gutachter sei aber nicht zu erwarten gewesen, dass er eine schwerwiegende Straftat begehen würde.

"Der Begriff Stalker erscheint mir etwas verharmlosend, weil er doch eine ganze Liste von Vorstrafen hat, die weit über das hinausgeht, was man als Stalking bezeichnet", sagte Oberbürgermeister Alfred Lehmann (CSU). Demnach sei der Mann auch wegen Körperverletzung und Bedrohungsdelikten polizeibekannt gewesen und mitunter aggressiv aufgetreten. "Es hatten Leute Angst vor ihm." Der CSU-Politiker war selbst im Gebäude, als der Täter am Morgen zuschlug, konnte sich aber in Sicherheit bringen.

Der Täter habe wegen des Stalkings der Mitarbeiterin Hausverbot im Rathaus gehabt, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). In den vergangenen Wochen sei der Konflikt eskaliert, nachdem der Mann gegen das Hausverbot verstoßen habe.

Motive weiter im Dunkeln

Der Täter hatte zunächst keine konkreten Forderungen gestellt. Laut Polizei hat er seit einiger Zeit psychische Probleme. Kurz vor Ende des Geiseldramas seien ihm noch Tabletten ins Rathaus gebracht worden. Über die Motive des Geiselnehmers ist noch nichts bekannt. Angeblich hatte er verlangt, dass die Stadt einen bestimmten Bescheid aufhebt. Es blieb aber im Dunkeln, welcher Bescheid gemeint war.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Nachmittag Ingolstadt auf ihrer Wahlkampfreise besuchen wollte, sagte ihren Auftritt ab. Auch eine gemeinsame Veranstaltung mit Ministerpräsident Horst Seehofer im 80 Kilometer entfernten Regensburg fiel aus. Die Polizei räumte das Ingolstädter Rathaus und sperrte einen Teil der Innenstadt ab. Für einen Zusammenhang mit dem ursprünglich geplanten Merkel-Besuch gebe es keine Anhaltspunkte, hieß es.

ala/dpa/AFP/Reuters

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