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Terroralarm in Australien: Geiselnahme in Café in Sydney

In einem Café im australischen Sydney werden mehr als ein Dutzend Menschen gefangen gehalten. Die Tat scheint radikalislamistisch motiviert zu sein. Fünf Geiseln konnten fliehen. Nun verhandelt die Polizei mit dem Geiselnehmer.

Sydney - In einem Café in der Innenstadt von Sydney werden seit acht Stunden mehr als ein Dutzend Mitarbeiter und Gäste von mindestens einem Bewaffneten festgehalten. Mehrere Geiseln stehen mit erhobenen Händen an den Fenstern des Lindt-Cafés am Martin Place im belebten Geschäftsviertel der Stadt. Zwei halten eine schwarze Fahne hoch, auf der in weißen Lettern auf Arabisch das muslimische Glaubensbekenntnis steht.

Das Glaubensbekenntnis in Weiß auf Schwarz gilt als Kriegsflagge, die häufig von Dschihadisten verwendet wird. Eine ähnliche Flagge verwendet die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS). Australiens Ministerpräsident Tony Abbott sagte in einer Pressekonferenz, die Motive hinter der Geiselnahme seien noch unklar, es gebe aber Hinweise, dass es sich um eine politisch motivierte Tat handele.

Der Polizei ist es inzwischen gelungen, Kontakt mit dem Geiselnehmer aufzunehmen. Genauere Angaben wollte sie dazu bisher nicht machen.

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Geiselnahme in Australien: Terroralarm in Sydney
Fünf Geiseln konnten aus dem Café entkommen. Noch ist unklar, ob sie fliehen konnten oder freigelassen wurden. Ein Angestellter entkam durch einen Seitenausgang. Zwei Kunden entkamen durch die Eingangstür - dieses Video zeigt ihre Flucht. Später konnten noch zwei Frauen, offenbar Angestellte des Cafés, entkommen. Die Polizei geht insgesamt von "weniger als 30" Geiseln aus, die sich noch im Café aufhalten. Bisher gebe es keine Anzeichen dafür, dass jemand verletzt wurde.

Der Verband australischer Imame verurteilte die Geiselnahme und sicherte den Opfern volle Unterstützung zu.

Auf Fernsehaufnahmen ist in dem Café ein Mann mittleren Alters zu sehen, der zwischen den Geiseln hin- und herläuft. Er hat einen grauen Bart, trägt einen schwarzen Rucksack und ein Stirnband, auf dem offenbar auf Arabisch steht: "Wir opfern uns für dich, oh Mohammed." Mehrere Augenzeugen berichten, es handele sich um einen großen, unrasierten Mann mit weißem Hemd und einer Schusswaffe.

Dem australischen Fernsehsender "Ten News" ist es gelungen, mit zwei Geiseln zu telefonieren. Sie wirkten völlig aufgelöst. Sie sagten, der Geiselnehmer wolle mit Australiens Premierminister Tony Abbott sprechen. Außerdem wolle er, dass man ihm eine Flagge der Terrormiliz "Islamischer Staat" liefere. Der bewaffnete Geiselnehmer behauptete, zwei Bomben im Café platziert zu haben.

Die Polizei wurde gegen 9:45 Uhr Ortszeit zum Café gerufen. Augenzeugen in der Nähe berichten von Geräuschen, die sich wie Schüsse anhörten. Das Gebiet ist weitläufig abgeriegelt und die U-Bahn teilweise stillgelegt worden. Mitarbeiter aus den über dem Café gelegenen Büros wurden über Leitern ins Freie gebracht.

Der australische Radiomoderator Ray Hadley sagte dem "Sydney Morning Herald", er sei von einem im Café festgehaltenen Mann im Auftrag des Geiselnehmers angerufen worden. Der Bewaffnete habe verlangt, live im Radio sprechen zu dürfen. "Ich habe der Geisel gesagt, dass ich das nicht zulasse", so Hadley. "Ich bin kein ausgebildeter Vermittler, ich habe keine Erfahrung damit. Das sollen andere übernehmen." Er habe die Polizei sofort über den Anruf verständigt. Diese wollte seine Schilderung nicht kommentieren.

Seit dem 12. September gilt in Australien erhöhte Terrorgefahr. Nach Geheimdiensterkenntnissen hatten Extremisten geplant, in Australien einen beliebigen Passanten auf der Straße zu enthaupten und die Gräueltat per Video im Internet zu verbreiten. Die australische Polizei startete daraufhin die größte Anti-Terror-Razzia ihrer Geschichte und entzog mindestens 60 bekannten Extremisten die Pässe, damit sie nicht zur Unterstützung des IS nach Syrien reisen.

Ende September war in Melbourne ein 18-Jähriger erschossen worden, nachdem er auf zwei Polizisten mit einem Messer eingestochen hatte. Er soll ein Sympathisant des IS gewesen sein. Australien gehört der internationalen Koalition gegen den IS an und fliegt im Irak Luftangriffe gegen die Dschihadisten.

Ministerpräsident Abbott erklärte, der Vorfall sei "sehr beunruhigend", die australischen Sicherheitskräfte seien aber bestens trainiert und ausgerüstet, um damit umzugehen. Er rief eine Sitzung des Sicherheitskabinetts ein.

Nach Schätzung von Generalstaatsanwalt George Brandis sind bisher 70 bis 90 Australier nach Syrien gereist, um an der Seite der Extremisten zu kämpfen. Der australische Geheimdienst hat vor Anschlägen von Rückkehrern gewarnt: Diese hätten "Kenntnisse, Erfahrung und Netzwerke, um Anschläge mit vielen Opfern in Australien und anderen westlichen Ländern zu verüben".

vet/ras/dpa/AFP/Reuters

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