Zweiter Gladbecker Geiselnehmer Hans-Jürgen Rösner will aus dem Gefängnis

Der Gladbecker Geiselnehmer Dieter Degowski soll in den nächsten Monaten freikommen. Und auch sein Mittäter Hans-Jürgen Rösner strebt offenkundig eine Haftentlassung an. Dazu begibt er sich in Therapie.

Hans-Jürgen Rösner während der Irrfahrt im Fluchtwagen
DPA

Hans-Jürgen Rösner während der Irrfahrt im Fluchtwagen


Einer der beiden Geiselnehmer von Gladbeck, Hans-Jürgen Rösner, will offenbar eine Therapie machen, um die Voraussetzungen für eine mögliche Haftentlassung zu schaffen. "Herr Rösner hat sich entschieden, im November mit einer Therapie zu beginnen", sagte Reina Blikslager, Leiterin der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Auslöser dafür sei "sein Wunsch, eine Perspektive auf ein Leben in Freiheit zu erhalten".

Blikslager zufolge trugen möglicherweise auch die Berichte über die bevorstehende Freilassung seines Mittäters Dieter Degowski zu Rösners Entschluss bei. Bislang habe Rösner eine Therapie abgelehnt. "Im Moment halten wir es für ausgeschlossen, dass er entlassen werden könnte. Er muss ja sein Verhalten ändern. Und dafür braucht er Anleitung", sagte Blikslager. Eine Therapie sei auf jeden Fall erforderlich. "Wann die mal abgeschlossen sein wird, ob die erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten."

Rösners Anwalt Rainer Dietz bestritt, dass sich sein Mandant bisher einer Therapie widersetzt habe. Das Gegenteil sei der Fall. Wenn die Therapie nun aber im November beginnen könne, sei das gut und "längst überfällig". Das Einzige, was Rösner bestreite, sei, dass er psychisch krank sei. Im Übrigen bereue er seine Taten.

Der heute 60-jährige Rösner war 1991 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Rösner und sein Komplize Degowski waren 1988 nach einem missglückten Banküberfall in Gladbeck mit Geiseln quer durch Deutschland und die Niederlande gefahren. Dabei wurden sie von der Polizei verfolgt sowie von zahlreichen Journalisten, die zum Teil Interviews mit den Gangstern führten. Auf ihrer Flucht erschossen die Täter zwei Geiseln.

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Geiseldrama von Gladbeck: "Für mich waren das zwei Dumpfbacken"

Das Landgericht Arnsberg entschied kürzlich, dass Degowski wieder auf freien Fuß kommen soll. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, rechnet seine Anwältin Lisa Grüter mit der Freilassung erst Anfang 2018.

Grüter zufolge wird Degowski in Freiheit "nicht allein in einer Sozialwohnung sitzen", sondern von einem "dichten Netz" von Betreuern empfangen. Er werde eine ehrenamtliche Tätigkeit aufnehmen. Leben werde er von Arbeitslosengeld, das ihm wegen seiner Arbeit in der Haftanstalt zustehe. (Lesen Sie die ganze Geschichte im aktuellen SPIEGEL.)

asa/AFP/dpa



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