Umstrittenes Todesurteil: Geistig Behinderter in Texas hingerichtet

Geistig Behinderte dürfen in den USA nicht hingerichtet werden. Marvin Wilson galt mit einem IQ von 61 als zurückgeblieben - und ist nun dennoch exekutiert worden. Wenige Stunden zuvor waren seine Anwälte mit einem letzten Antrag auf Aussetzung der Hinrichtung gescheitert.

Huntsville - In Texas ist ein geistig behinderter Häftling mit der Giftspritze hingerichtet worden. Das Oberste Gericht der USA hatte nur wenige Stunden zuvor am Dienstagabend einen Antrag der Anwälte des 54-jährigen Marvin Wilson auf Aussetzung der Hinrichtung abgelehnt. Die Anwälte hatten auf den niedrigen Intelligenzquotienten des Verurteilten hingewiesen. Bei einem psychologischen Test 2004 hatte Wilson 61 Punkte erreicht. Ein Wert unter 70 Punkten wird allgemein als geistige Behinderung betrachtet.

2002 hat der Oberste Gerichtshof der USA entschieden, dass geistig Behinderte nicht zum Tode verurteilt werden dürfen. Allerdings überließen die Richter die Definition von geistiger Behinderung den Bundesstaaten.

Wilsons Anwalt Lee Kovarsky sagte, Texas umgehe das Hinrichtungsverbot, indem es die Definition von geistiger Behinderung so auslege, dass ein Häftling sie praktisch nicht erfüllen könne. Es sei unglaublich, dass der Bundesstaat weiterhin unwissenschaftliche Richtlinien bei der Frage anwende, wer mit geistiger Behinderung von Hinrichtungen ausgenommen werde.

Lesen und Schreiben wie ein Zweitklässler

Vor dem Obersten Gerichtshof hatte Kovarsky argumentiert, Wilsons sprachliche und mathematische Fähigkeiten seien auf dem Niveau eines Grundschülers. Er lese und schreibe wie ein Zweitklässler und sei unfähig, seine Finanzen zu regeln, Rechnungen zu bezahlen oder einer geregelten Arbeit nachzugehen.

Die Staatsanwaltschaft war dagegen überzeugt, Wilsons IQ sei in lediglich einem und möglicherweise fehlerhaften Test festgestellt worden. Eine mögliche geistige Behinderung sei nicht durch andere Untersuchungen oder Einschätzungen von Experten belegt. Zudem habe Wilson als Kleinkrimineller bewiesen, dass er durchaus mit Geld umgehen, Entscheidungen treffen und sogar andere für seine Zwecke einsetzen könne.

Der 54-jährige Wilson war wegen der Ermordung eines Polizeispitzels im November 1992 zum Tod verurteilt worden. Gegen die geplante Hinrichtung hatten Menschenrechtsorganisationen scharf protestiert.

Wilsons Hinrichtung war die 25. Exekution, die in den USA in diesem Jahr vollstreckt wurde. Sieben der Hinrichtungen fanden in Texas statt. In dem Bundesstaat sind für mindestens neun weitere Todeskandidaten in den kommenden Monaten Hinrichtungen angesetzt.

ulz/AFP/dapd/AP

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insgesamt 72 Beiträge
uschikoslowsky 08.08.2012
Ein Schwellenland, nicht nur im Gesundheitswesen...
Ein Schwellenland, nicht nur im Gesundheitswesen...
teranon 08.08.2012
Wer sich die gesellschaftliche Entwicklung in den USA genau ansieht, kann das durchaus nachvollziehen. Das Bildungsniveau sinkt immer weiter. Religiöser Fanatismus, Waffenliebe und Rassenhass feiern fröhlich Urständ. Leute wie [...]
Wer sich die gesellschaftliche Entwicklung in den USA genau ansieht, kann das durchaus nachvollziehen. Das Bildungsniveau sinkt immer weiter. Religiöser Fanatismus, Waffenliebe und Rassenhass feiern fröhlich Urständ. Leute wie Sarah Palin und jetzt Romney werden von vielen als für jöchste Ämter geeignet erachtet. Hätte man Wilson als für geistig behindert befunden, so würde man den gleichen Massstab für weite Teile der Bevölkerung anlegen müssen. Etwas überspitzt gesagt...
spargel_tarzan 08.08.2012
muß es die giftspritze richten und die begründung des gerichtes ist schon hahnebüchend..
Zitat von sysopGeistig Behinderte dürfen in den USA nicht hingerichtet werden. Marvin Wilson galt mit einem IQ von 61 als zurückgeblieben - und ist nun dennoch exekutiert worden. Wenige Stunden zuvor waren seine Anwälte mit einem letzten Antrag auf Aussetzung der Hinrichtung gescheitert. Geistig Behinderter Marvin Wilson in Texas hingerichtet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,848803,00.html)
muß es die giftspritze richten und die begründung des gerichtes ist schon hahnebüchend..
eilaender 08.08.2012
...
...
CitizenTM 08.08.2012
... mache ich schon immer einen weiten Bogen. Erbärmlich was sich da teilweise abspielt. Peace to the soul of the executed.
... mache ich schon immer einen weiten Bogen. Erbärmlich was sich da teilweise abspielt. Peace to the soul of the executed.
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  • Mittwoch, 08.08.2012 – 06:47 Uhr
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Wie Menschen hingerichtet werden
AP
Bei der Hinrichtung mit einer Giftspritze werden dem Verurteilten in der Regel drei Substanzen verabreicht: ein Narkosemittel, damit der Todgeweihte nichts spürt, ein Lähmungsmittel, damit sein Körper nicht zuckt, und schließlich das Salz Kaliumchlorid, damit das Herz aufhört zu schlagen. Dieses geschieht binnen zwei Minuten. Anfangs wurden die Substanzen manuell gespritzt, mittlerweile kommen Injektionsmaschinen zum Einsatz.

Bei der angeblich besonders "humanen" Hinrichtungsart können jedoch Probleme auftreten. Werden die Substanzmengen falsch berechnet oder die Mittel zu früh gemischt, verlängert sich der Sterbevorgang. Verzögert sich die Wirkung des Betäubungsmittels, ist das Opfer möglicherweise noch bei Bewusstsein, wenn die Lähmung der Lunge eintritt. Zudem kommt es vor, dass statt in eine Vene in Muskelfleisch injiziert wird - das Opfer erleidet dann starke Schmerzen.






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