Gekaperte "Longchamp": Deutsche Marine nennt Anti-Piraten-Mission Erfolg

Kriegsschiffe aus 14 Nationen patrouillieren im Golf von Aden, dennoch kapern somalische Piraten mit einer neuen Taktik Schiffe. Der Kommandant der deutschen Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" bezeichnet die EU-Mission "Atalanta" dennoch als Erfolg - auch wenn es "scheinbar anders aussieht".

London/Hamburg - Die Attacken durch Piraten gehen trotz der Präsenz der EU-Kriegsschiffe weiter. Die deutsche Marine wertet ihren Einsatz im Golf von Aden dennoch als Erfolg. "Es ist zweifelsohne eine erfolgreiche Mission, auch wenn das jetzt mit Blick auf die "Longchamp" scheinbar anders aussieht", sagte der Kommandant der deutschen Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern", Kay-Achim Schönbach, im ZDF-"Morgenmagazin".

Tanker "Longchamp": In der Hand somalischer Piraten
DPA / Olaf Kuhnke

Tanker "Longchamp": In der Hand somalischer Piraten

Somalische Piraten hatten im Golf von Aden den deutschen Flüssiggastanker "Longchamp" gekapert, obwohl das Schiff angeblich in einem international geschützten Konvoi fuhr. Die Angaben, das Schiff sei in einem Verband unterwegs gewesen, stammt vom Hamburger Schiffsfinanzierers MPC.

Dieser Darstellung widerspricht ein Sprecher der zuständigen EU-Mission "Atalanta" allerdings heftig. Die "Longchamp" sei als "Einzelfahrer" am Rande des Transitkorridors unterwegs gewesen und habe den Konvoi nicht abgewartet, hieß es aus dem Hauptquartier der Operation im britischen Northwood.

Ähnliches geht auch aus Informationen der Bundeswehr hervor. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam sagte dem "Hamburger Abendblatt", die "Longchamp" habe nicht auf ihren "group transit", den Konvoi, gewartet. Eine Stellungnahme des Eigners gibt es dazu bislang nicht.

Nach Einschätzung von Schönbach wird die Präsenz internationaler Schiffe vor der somalischen Küste die Übergriffe durch Piraten dennoch weiter einschränken. "Einen hundertprozentigen Schutz wird es nie geben", räumte er ein. Die Angriffe seien von einer neuen Qualität: Es hätten sehr viele Schiffe in Schwärmen angegriffen, so etwas habe man bislang nicht erlebt, sagte Schönbach.

Im Kampf gegen die Seeräuber hat die EU zur Zeit vier Schiffe und drei Aufklärungsflugzeuge im Einsatz. Zehn weitere Länder haben ebenfalls Kriegsschiffe in die Region entsandt. Sie sollen vor allem Containerschiffe und Tanker vor Angriffen im Golf von Aden schützen, der wichtigsten Handelsroute zwischen Europa, der arabischen Halbinsel und Asien.

Deutschland beteiligt sich mit der Fregatte "Karlsruhe" an der Mission. Die "Mecklenburg-Vorpommern" kreuzt ebenfalls in dem Seegebiet. Sie ist im Rahmen der US-geführten Anti-Terror-Mission OEF im Einsatz.

Der deutsche Flüssiggastanker "Longchamp" befindet sich inzwischen in somalischen Küstengewässern. Das Schiff habe am Donnerstagabend die Ostküste des Krisenstaates am Horn von Afrika erreicht, sagte der Sprecher des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB), Cyrus Mody, in London. Um die Sicherheit der Besatzung nicht zu gefährden, werde die genaue Position des Tankers nicht bekanntgegeben.

Nach einem Notruf war die indische Marine dem Frachter zur Hilfe geeilt, die Piraten konnten das Schiff aber trotz des Beschusses in ihre Gewalt bringen. Ein Bundeswehrsprecher in Potsdam sagte, der Kapitän der "Longchamp" habe das Ansinnen der indischen Marine abgelehnt, an Bord zu kommen und den Tanker gewaltsam zu befreien.

Zur aktuellen Lage der "Longchamp" verwies der IMB-Sprecher in London auf die Eigner des Schiffes. Bisher sei die IMB nicht gebeten worden, Kontakt mit den Piraten aufzunehmen.

Eine Sprecherin der Hamburger Reederei Bernhard Schulte sagte am Freitag, man werde sich nicht zu dem Vorfall und aktuellen Entwicklungen äußern. Zweck sei es, die Crew des entführten Tankers nicht zu gefährden. Unklar ist, ob bereits eventuelle Lösegeldforderungen der Kidnapper eingegangen sind.

In den Gewässern zwischen Somalia und dem Jemen haben Piraten in diesem Jahr bereits drei Schiffe gekapert.

han/dpa/ddp

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