Geldstrafe: Arzt implantiert Rinderknochen gegen Willen der Patientin

Obwohl sie sich vorher ausdrücklich dagegen ausgesprochen hatte, wurden einer Frau bei einer Operation Rinderknochen-Implantate eingesetzt. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung muss der Chirurg nun eine Geldbuße von 10.000 Euro zahlen.

Marburg - Weil er einer Patientin ohne ihre Erlaubnis Präparate von Rinderknochen implantiert hat, wurde dem ehemaligen Direktor des Marburger Universitätsklinikum Leo G. jetzt der Prozess gemacht. Er habe nicht in die Patientenakte geschaut, sonst hätte er andere Implantate verwendet, verteidigte sich der Mann am Dienstag vor dem Landgericht.

Der Angeklagte Leo G. (r.) und sein Anwalt vor dem Landgericht Marburg
DDP

Der Angeklagte Leo G. (r.) und sein Anwalt vor dem Landgericht Marburg

Im Februar 2003 hatte er einer 42 Jahre alten Patientin während einer Knieoperation Rinderknochen implantiert. Und das, obwohl die Dame in ihrer Einverständniserklärung ausdrücklich erklärte, dass sie keine Schrauben und Stifte aus Rinderknochen möchte.

Weil er somit den Willen der Patientin missachtete, habe der 67-Jährige eine vorsätzliche Körperverletzung begangen, befand der Richter in der Urteilsbegründung. Er verdonnerte den Mann zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro. Außerdem verwarnte er den Mediziner unter Vorbehalt einer Geldstrafe von 15.000 Euro. In seiner zweijährigen Bewährungszeit darf sich der ehemalige Chefarzt keine weiteren Straftaten zuschulden kommen lassen.

Seit rund vier Jahren wird gegen Arzt ermittelt. In knapp 300 Fällen soll bei Patienten nicht zugelassene Metallimplantate und Rinderknochen-Implantate ohne deren Wissen und bisweilen sogar gegen ihren Willen eingesetzt haben. Teilweise hatte er diese sogar selbst angefertigt. Doch damit nicht genug: Bei einigen Implantaten war das Verfallsdatum schon bis zu einem Jahr überschritten. Etwa 20 Fälle wurden jetzt zur Anklage gebracht. Dieser Fall ist der erste, der verhandelt wurde.

Ein anonymer Hinweis hatte das Klinikum auf den Fall aufmerksam, das daraufhin die Staatsanwaltschaft verständigte. Der Arzt war damals zunächst suspendiert, später emeritiert worden.

jek/dpa

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