Ehemaliger Finanzchef des Vatikans Kardinal George Pell zu sechs Jahren Haft verurteilt

Seit Ende Februar saß er in Haft, die Länge seiner Gefängnisstrafe musste aber noch entschieden werden. Nun hat ein Gericht den australischen Geistlichen George Pell zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Kindesmissbrauchs verurteilt.

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Ein Gericht im australischen Melbourne hat den ehemaligen Finanzchef des Vatikans, George Pell, zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. Der 77-Jährige war bereits schuldig gesprochen worden, sich 1996 in der Sakristei vor zwei Jungen entblößt, sie unsittlich berührt und einen von ihnen zum Oralsex gezwungen zu haben. Er saß deswegen schon seit Ende Februar in Haft.

Mit dem Urteil blieb der Vorsitzende Richter Peter Kidd deutlich unter der möglichen Höchststrafe von 50 Jahren. Strafmindernd wertete Richter Kidd unter anderem Pells Alter und seinen Gesundheitszustand. Der Kardinal nahm das Urteil ohne besondere Regung zur Kenntnis. Insgesamt wurde er in fünf Punkten für schuldig befunden

Pell bestreitet alle Vorwürfe. Der ehemalige Vertraute von Papst Franziskus will gegen das Urteil in Berufung gehen. Pell ist der bislang hochrangigste Kirchenfunktionär, der wegen Missbrauchs verurteilt wurde.

Der Kurienkardinal war bereits im Dezember von einem Geschworenengericht für schuldig befunden worden, die beiden Chorknaben missbraucht zu haben. Zu jener Zeit war Pell Erzbischof der australischen Millionenmetropole.

Als Finanzchef war der Australier praktisch die Nummer drei des Vatikans. Pell gehörte auch zu den engsten Beratern des Papstes. Wegen der Vorwürfe ließ er sich 2017 beurlauben. Offiziell war er als Finanzchef jedoch noch bis Februar 2019 im Amt. Sein Berufungsprozess wird vermutlich im Juni beginnen.

fek/dpa/Reuters

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