Fall Trayvon Martin: Todesschütze erscheint erstmals vor Gericht

Der erste Auftritt von George Zimmerman vor Gericht hat nur wenige Minuten gedauert: Der Mann, dem von der Staatsanwaltschaft der Mord an dem Jugendlichen Trayvon Martin vorgeworfen wird, sagte nur zweimal "Yes, Sir". Offiziell wird am 29. Mai Anklage erhoben.

Sein Fall spaltet die USA: George Zimmerman erscheint zum ersten Mal vor Gericht Zur Großansicht
REUTERS

Sein Fall spaltet die USA: George Zimmerman erscheint zum ersten Mal vor Gericht

Washington - Der Mann in der grauen Gefängniskleidung sagt nur wenige Worte, er beantwortet eine Frage des Richters mit "Yes, Sir", dann noch einmal: "Yes, Sir". George Zimmerman steht zum ersten Mal vor dem Gericht. Er trägt die Haare kurzgeschoren, den Bart sauber gestutzt, er sieht dünner aus als auf einem früheren Foto.

Sein Auftritt dauert nur wenige Minuten. Der Richter erklärt den Fortgang des Verfahrens, setzt das Datum der formellen Anklageverlesung fest: auf den 29. Mai. Dann wird Zimmerman wieder vor Gericht stehen, und dann wird er mit den Vorwürfen konfrontiert werden, die Staatsanwältin Angela Corey gegen ihn erhebt: Mord mit bedingtem Vorsatz am 17-jährigen Trayvon Martin.

Dass er den Jugendlichen erschossen hat, gab Zimmerman schon bei einer früheren Vernehmung zu. Er war während einer freiwilligen Sicherheitspatrouille auf Martin gestoßen, Zimmerman ist Mitglied einer Bürgerwehr. Aber der Angeklagte beruft sich auf Notwehr. In Florida gilt das "Stand Your Ground"-Gesetz (auf deutsch etwa: "Weiche nicht zurück"), das Bürgern ein besonders ausgeprägtes Recht auf Selbstverteidigung zugesteht.

Der Anwalt der Familie des Getöteten wirft ihm hingegen vor, den Jugendlichen "kaltblütig" ermordet zu haben. Martin war unbewaffnet, laut Zeugenaussagen wollte er nur zum Kiosk gehen, in der Halbzeitpause eines Basketballspiels. Für Mord mit bedingtem Vorsatz drohen Zimmerman 25 Jahre Haft, die Höchststrafe liegt bei lebenslänglich. Es wird erwartet, dass er sich nach der Verlesung der Anklage persönlich oder schriftlich für unschuldig erklärt.

Der Fall spaltet die USA

Der Fall Trayvon Martin spaltet die Nation - das zeigen auch neue Umfragen. Eine deutliche Mehrheit von 91 Prozent der Afroamerikaner glauben, dass Trayvon Martins Fall klares Unrecht war. Nur ein Drittel der weißen Bevölkerung stimmt dem zu, wie es in der Online-Umfrage von Reuters/Ipsos heißt, an der 2000 Amerikaner teilnahmen. Die Erhebung deckt sich auch mit früheren Umfrageergebnissen.

Der Fall hatte eine landesweite Welle der Empörung ausgelöst, vor allem, da von möglichen rassistischen Motiven die Rede war. Sogar Präsident Barack Obama hatte sich dazu geäußert und bezeichnete den Fall als "Tragödie". Grund der Proteste war auch, dass die örtliche Polizei zunächst nicht gegen Zimmerman ermittelt hatte.

usp/dpa/AP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Vorsicht Desinformation!
Heinz-und-Kunz 12.04.2012
Zitat von sysopDer erste Auftritt von George Zimmerman vor Gericht hat nur wenige Minuten gedauert: Der Mann, dem von der Staatsanwaltschaft der Mord an dem Jugendlichen Trayvon Martin vorgeworfen wird, sagte nur zwei Mal "Yes, Sir". Offiziell wird am 29. Mai Anklage erhoben.
Nochmal: Second-Degree Murder => Totschlag Außerdem wäre es schön, wenn keine zig-Jahre alten Bilder von Trayvon Martin benutzt würden. Überhaupt sind die Bilder der Fotostrecke einseitig und manipulativ, wie man hier gut sehen kann: http://ronepraisephilly.files.wordpress.com/2012/04/120405065641-large-zimmerman-martin-split-story-top.jpg?w=630&h=360&crop=1
2. Trayvon Martin Minderschuldig
skade 12.04.2012
Zimmermann ist doch nur eine Teil des Ganzen, in der ganzen Hetze gegen ihn geht ganz unter, das es überhaupt dieses dämliche Gesetz gibt. Die die dieses Gesetz "Stand your Ground" erschaffen haben, sind mindestens genauso schuldig. Das Gesetz ist quasi der Freifahrtschein für einen Mord. Ohne den großen Aufruhr und die Angst vor möglichen "Rassenunruhen" wäre nach dem Mord alles weitergegangen, als wäre nichts passiert. Ich bin mal gespannt wie es ausgeht. Einerseits müssen sie ihn hart bestrafen damit es zu keinen Unruhen kommt, andererseits wollen sie sich ja keine Blöße geben, weil sie mit ihrem Gesetz versagt haben. Letztendlich der umgekehrte Fall wie bei O.J. Simpson.
3. ...
jujo 12.04.2012
Zitat von sysopDer erste Auftritt von George Zimmerman vor Gericht hat nur wenige Minuten gedauert: Der Mann, dem von der Staatsanwaltschaft der Mord an dem Jugendlichen Trayvon Martin vorgeworfen wird, sagte nur zwei Mal "Yes, Sir". Offiziell wird am 29. Mai Anklage erhoben. Fall Trayvon Martin: Todesschütze erscheint erstmals vor Gericht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,827269,00.html)
Wenn man die veröffentlichen Gesprächsmitschnitte des Schützen mit der Polizei zu Grunde legt, fällt es schwer an eine Gefährdung des Schützen und an seine angegebene Notwehrsituation zu glauben. Es wird ihm ausdrücklich gesagt dem von ihm später getötetem nicht (!) nachzugehen. warum tat er es? Ich vermute mal er wollte dem jungen Mann eine Lehre erteilen, weil er Annahm (!), das dieser ein böser Bube sei. Für mich eine eindeutig überreagierte Aktion. Für die es keine Rechtfertigung der Notwehr gibt!
4. Endlich etwas sachlich
Der Pragmatist 13.04.2012
Zitat von sysopDer erste Auftritt von George Zimmerman vor Gericht hat nur wenige Minuten gedauert: Der Mann, dem von der Staatsanwaltschaft der Mord an dem Jugendlichen Trayvon Martin vorgeworfen wird, sagte nur zwei Mal "Yes, Sir". Offiziell wird am 29. Mai Anklage erhoben. Fall Trayvon Martin: Todesschütze erscheint erstmals vor Gericht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,827269,00.html)
Dies ist der 13. Artikel ueber diesen Fall im SPIEGEL und er ist endlich einmal etwas ausgewogener und nicht mit den vielen Unwahrheiten und Verdrehungen versehen. Also, der SPIEGEL kann doch vernuenftig shcreiben. Allerdings mussten erst Dutzende von Foristen den SPIEGEL auf die vielen Ungereimtheiten hinweisen. Ist es wirklich so wichtig, ueber diesen Fall 13 mal zu schreiben? In den USA werden monatlich dutzende von unschuldigen Schwarzen ermordet - von anderen Schwarzen und niemand empoert sich darueber. Vieleicht sollten Al Sharpton und Jackson und die Black Panhters einmal fuer diese vielen hunderten oder tausenden von jaehrlich unschuldigen Opfern eintreten.
5.
tsa197 13.04.2012
Zitat von jujoEs wird ihm ausdrücklich gesagt dem von ihm später getötetem nicht (!) nachzugehen. warum tat er es? Ich vermute mal er wollte dem jungen Mann eine Lehre erteilen, weil er Annahm (!), das dieser ein böser Bube sei. Für mich eine eindeutig überreagierte Aktion. Für die es keine Rechtfertigung der Notwehr gibt!
Ich glaube kaum, dass er ohne weiteres den "Buben" einfach so erschossen hat. Warum sollte er dann vorher die Polizei anrufen? Und "ausdrücklich" ist wirklich anders. Der "Dispatcher" hörte sein schweres atmen, fragte "Are you following him?", Zimmerman bejahte; "We don't need you to do that." Ein Eindeutiges Verbot ist das nicht, und selbst wenn: Zimmerman war nicht verpflichtet diesen Anweisungen Folge zu leisten, da "Dispatcher" Zivile sind. Außerdem ist er nach der Geschichte die sein Bruder und sein Vater erzählten zurück zu seinem Auto gegangen als Trayvon attackierte. Wobei ich diese Version sehr bezweifele.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Justiz
RSS
alles zum Thema Trayvon Martin
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 7 Kommentare
  • Zur Startseite

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite


Fotostrecke
George Zimmerman: 150.000 Euro Kaution