Georgia Tausende kämpfen für Todeskandidat Troy Davis

Es ist vermutlich seine letzte Chance. Am Montag entscheidet der Begnadigungsausschuss des US-Bundesstaats Georgia, ob der 41-Jährige Troy Davis hingerichtet wird. Inzwischen gibt es erhebliche Zweifel an seiner Schuld. Tausenden gingen für ihn auf die Straße.

AP

Washington - Sein Fall gilt als einer der umstrittensten seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA vor 35 Jahren. Troy Davis wurde vor 20 Jahren zum Tode verurteilt. An seiner Schuld bestehen allerdings immer wieder Zweifel.

Der heute 41-jährige Schwarze soll 1989 in Savannah im Bundesstaat Georgia einen jungen, weißen Polizeibeamten getötet haben, der einem attackierten am Boden liegenden Obdachlosen helfen wollte. Davis Verurteilung basierte nach Medienangaben hauptsächlich auf der Zeugenaussage eines Mannes, der den Mord gesehen haben will - und zuvor selbst als möglicher Täter in Verdacht geraten war.

Die Tatwaffe sei nie gefunden worden, und es gebe auch keine Beweise wie DNA-Spuren, die auf Davis hindeuteten. Während der Hauptzeuge bei seiner Aussage geblieben sei, gaben andere Zeugen an, dass die Polizei sie damals unter Druck gesetzt und eingeschüchtert habe. Der Sender CNN zitierte eine Geschworene im Mordprozess mit den Worten: "Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, säße Troy Davis nicht in der Todeszelle."

Sieben von neun Zeugen im damaligen Prozess haben nach Medienberichten inzwischen ihre Aussage gänzlich widerrufen oder wesentlich abgeändert.

Davis hatte in seinen 20 Jahren in Gefangenschaft schon dreimal vor der Exekution gestanden, aber jedes Mal wurde ihm wegen andauernder Zweifel an seiner Schuld ein Aufschub gewährt. Die Gerichte befanden jedoch stets, der Gefangene habe seine Unschuldsbehauptung nicht überzeugend untermauern können.

Todesstrafengegner dagegen argumentieren, dass Davis nicht hingerichtet werden dürfe, wenn es auch nur den geringsten Zweifel an seiner Täterschaft gebe. Sie haben dem Ausschuss nach Medienberichten eine Gnaden-Petition mit mehr als 660.000 Unterschriften zugeleitet.

Am Montag will der Begnadigungsausschuss des Bundesstaates Georgia über das Schicksal des Gefangenen entscheiden. Da Davis praktisch alle Rechtsmittel ausgeschöpft hat, glauben viele Experten, dass dies seine letzte Chance ist, der Giftspritze zu entgehen.

Am vergangenen Freitag waren bei einem "Aktionstag" in vielen Städten deshalb Zehntausende Menschen für Davis auf die Straße gegangen, wie die Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International mitteilte. Weitere Demonstrationen und Mahnwachen seien geplant.

Auch mehr als 50 US-Kongressabgeordnete und zahlreiche Prominente haben sich für eine Verschonung starkgemacht. Unter ihnen sind Papst Benedikt XVI., der frühere US-Präsident Jimmy Carter, Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und der ehemalige Chef der US-Bundespolizei FBI, William Sessions.

dpa/bac



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.