Tödlicher gepanschter Alkohol: Tschechien verbietet Schnaps-Verkauf

Nach dem Tod von mindestens 19 Menschen durch gepanschten Alkohol zieht die tschechische Regierung drastische Konsequenzen: Der Verkauf von Hochprozentigem ist bis auf weiteres im ganzen Land verboten. Bei Verstößen drohen harte Strafen.

Wo sich gestern noch Flaschen aneinanderreihten, herrscht nun Leere: Wodka, Rum und anderes Hochprozentiges ist über Nacht aus den Supermarktregalen in Tschechien verschwunden. Die Regierung hat nach dem Tod von mindestens 19 Menschen den Verkauf von Alkoholika mit mehr als 20 Volumenprozent verboten.

Die Opfer hatten gepanschten Wodka oder Rum getrunken, der hochgiftiges Methanol enthielt und aufgrund krimineller Machenschaften in die Geschäfte gelangt war. Bereits wenige Milliliter der Chemikalie reichen aus, um einen Menschen zu vergiften. Die Abbauprodukte können außer zu Übelkeit und Sehstörungen zur Erblindung und zum Tod führen.

Verbot wird möglicherweise mehrere Wochen anhalten

Gesundheitsminister Leos Heger hatte das Verbot am Freitagabend verkündet. Der Schritt gelte landesweit ab sofort und möglicherweise mehrere Wochen lang, so der Politiker. Auch Restaurants, Hotels und Verkaufsstellen über das Internet seien betroffen. "Ich will nicht sagen, dass es Panik auslösen soll, aber es soll wie ein Schlag wirken", sagte er der Zeitung "MF Dnes". Wer weiterhin Hochprozentiges zum Verkauf anbietet, dem droht eine Geldbuße von umgerechnet bis zu 123.000 Euro oder sogar eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren.

Kliniken in Südmähren und Mährisch-Schlesien meldeten am Samstag drei neue Vergiftungsfälle, darunter einen schweren. Mittlerweile wurde auch ein Mann in der Touristenhochburg Prag ins Krankenhaus eingeliefert. Der Zustand des 30-Jährigen gilt als sehr kritisch.

Die Polizei hat bisher knapp 20 Verdächtige festgenommen, die hinter dem gepanschten Alkohol stecken könnten. Die Hintermänner und Giftmischer scheinen jedoch noch nicht gefasst zu sein. Bei einer Razzia im südmährischen Zlin stellten die Beamten rund 500 Wodka-, Rum- und Obstbrandflaschen mit gefälschten Marken-Etiketten sicher. In Proben wurde ein hoher Methanol-Gehalt festgestellt.

irb/dpa

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