Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Scheidungsurteil in England: Richter spricht Ex-Frau 90 Prozent des Vermögens zu

Ungewöhnliches Urteil in England: Nach der Scheidung soll die Ex-Frau 90 Prozent des Ehevermögens bekommen. Die Begründung des Richters ist bemerkenswert.

Nahezu ein Vierteljahrhundert führten Jane und Peter M. eine glückliche Ehe. Das englische Paar genoss ein luxuriöses Leben, kaufte sich eine Villa in Chiltern Hills, einem vornehmen Landstrich im Südosten des Landes, im Wert von 1,2 Millionen Pfund (umgerechnet 1,5 Millionen Euro). Es schickte seine drei Kinder auf teure Privatschulen, investierte mitunter 5000 Pfund in Geburtstagspartys, unterhielt mehrere Pferde und Luxusautos. So berichten es englische Medien wie der "Guardian".

Vor drei Jahren dann die Trennung. Es folgte ein schmutziger Rosenkrieg, der nun von einem Scheidungsgericht vorerst beendet wurde. Der ungewöhnliche Richterspruch: Der heute 52-jährigen Jane M. sind 90 Prozent des Familienvermögens in Höhe von 560.000 Pfund (umgerechnet 715.000 Euro) zugesprochen worden.

Richter Glen Brasse begründete sein Urteil damit, dass Jane M. aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters geringe Chancen habe, auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden und deshalb einen angemessenen Ausgleich benötige. Sie hatte vor 25 Jahren ihre Karriere als Personalberaterin zugunsten ihrer Familie aufgegeben und sich auf das Leben als Hausfrau und Mutter konzentriert. In dieser Zeit sei sie, so der Richter, "eine kompetente und effektive Organisatorin des Familienlebens gewesen".

Ex-Mann habe keine Zukunftssorgen

Ihr Ex-Mann hingegen, so der Richter in seinem Urteilsspruch, habe durch seinen Job als Geschäftsführer einer Softwarefirma mit einem siebenstelligen Umsatz und Rentenansprüchen keine beruflichen Zukunftssorgen. Laut "Daily Mail" verdient der 51-Jährige, der ohne Anwalt vor Gericht erschienen war, derzeit 240.000 Pfund im Jahr (umgerechnet 306.000 Euro).

Unbeeindruckt zeigte sich der Richter auch von Peter M.s Einwand, seine Ex-Frau habe nach der Trennung zu ihrem Lebensunterhalt nicht selbst beigetragen und ihren extravaganten Lebensstil fortgesetzt.

Der Richter machte Umstände geltend, die auch in Deutschland oft angeprangert werden. Auch hier ist die Gleichheit zwischen Mann und Frau nicht gegeben. Mehr noch: Wie Zahlen des Statistischen Bundesamts bestätigen, wird in Deutschland so drastisch wie in wenigen anderen Ländern Europas bei der Bezahlung nach Geschlecht unterschieden. Um 22 Prozent bleiben die durchschnittlichen Stundenlöhne von Frauen hinter denen der Männer zurück. Daran hat sich in den vergangenen 20 Jahren kaum etwas geändert. Überdies besetzen Frauen seltener Führungspositionen. 13 Prozent der Männer haben eine leitende Funktion, aber nur 7 Prozent der Frauen. Daraus folgen niedrigere Rentenansprüche für die Frauen.

Jane und Peter M. beschäftigen schon länger englische Gerichte. Ein erster Richter hatte Peter M. im Juli vergangenen Jahres dazu verdonnert, säumige Unterhaltszahlungen in Höhe von 77.000 Pfund (umgerechnet 98.000 Euro) zu leisten. Dagegen hatte der Softwaremanager Einspruch eingelegt - offenbar auch unbeeindruckt von einem sechswöchigen Gefängnisaufenthalt, der ihm bei Nichtzahlung gedroht hatte.

Ob Jane M. nun wirklich mit der hohen Summe rechnen darf, ist allerdings ungewiss. Ein Berufungsgericht muss das Urteil überprüfen.

msc

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: