Prügelattacke in Rosenheim: Bewährungsstrafe für gewalttätigen Polizeichef

Er hat einen gefesselten 15-Jährigen blutig geschlagen: Das Landgericht Traunstein sieht das als erwiesen an und verurteilt den suspendierten Rosenheimer Polizeichef zu elf Monaten auf Bewährung. Er hatte gestanden - wenn auch eine andere Version erzählt als der Jugendliche.

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dapd

Der suspendierte Rosenheimer Polizeichef im Gericht: Elf Monate auf Bewährung

Rosenheim/Traunstein - Das Urteil im Prozess um die Prügelattacke des ehemaligen Rosenheimer Polizeichefs ist gefallen: Das Landgericht Traunstein sprach den 51-Jährigen am Dienstag der Körperverletzung im Amt schuldig.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der 51-Jährige den Kopf des gefesselten Jugendlichen im Herbst 2011 auf der Wache des Rosenheimer Volksfestes gegen die Wand schlug, das Opfer trat und ohrfeigte. Der Schüler hatte eine stark blutende Platzwunde an der Lippe davongetragen. Ein Schneidezahn brach, andere Zähne wurden geschädigt.

Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs sagte bei der Urteilsbegründung, der suspendierte Polizeichef habe "seine Machtbefugnisse missbraucht". "Das darf einem Polizeibeamten nicht passieren", sagte Fuchs. Besonders gravierend sei "das Ausnutzen einer Unterlegenheit eines Gefesselten und seine Erniedrigung" gewesen.

Der Angeklagte hatte ein Teilgeständnis abgelegt: Er habe den gefesselten Jungen geschubst, so dass dieser versehentlich gegen eine Wand gestürzt sei. Er habe unter Stress gestanden und sei von dem angetrunkenen "Rotzlöffel" genervt gewesen. Er habe ihm deshalb auch auf der Wache des Festgeländes eine Ohrfeige verpasst.

Richter Fuchs betonte allerdings, dass die Kammer die Version des Jungen "als richtig und bewiesen" ansehe. Dieser hatte erklärt, der Polizist habe seinen Kopf mehrmals absichtlich gegen eine Wand geschlagen. Ihm sei dadurch die Lippe aufgeplatzt und ein Zahn abgebrochen. Die Aussage sei durch ein Gutachten bestätigt worden.

Der 51-Jährige behält seinen Beamtenstatus. Diesen hätte er bei einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr automatisch verloren.

mia/dpa/dapd

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