Gerichtsentscheid in Karlsruhe Jörg Kachelmann ist frei

Wende im Fall Jörg Kachelmann: Der Wettermoderator ist am Donnerstagmittag aus der Untersuchungshaft entlassen worden - und bleibt in Freiheit, bis der Vergewaltigungsprozess gegen ihn beginnt. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hob den Haftbefehl auf, es sieht keinen dringenden Tatverdacht mehr.


Karlsruhe - Wettermoderator Jörg Kachelmann ist nach mehr als vier Monaten Untersuchungshaft wieder frei. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat am Donnerstag den Haftbefehl gegen den 52-jährigen Schweizer aufgehoben und seine "umgehende Freilassung" angeordnet. Der dritte Strafsenat des OLG entschied, dass "im derzeitigen Stadium des Verfahrens kein dringender Tatverdacht mehr" bestehe. Daher sei auch die Fluchtgefahr als Grund für die Untersuchungshaft nicht länger maßgeblich.

Der TV-Wetterexperte ist angeklagt, seine frühere Freundin vergewaltigt zu haben, und saß seit dem 20. März in Haft. Er hat die Vorwürfe stets bestritten.

Für das Oberlandesgericht steht angesichts eines "bestreitenden Angeklagten" und der Nebenklägerin als einziger Belastungszeugin in diesem Fall "Aussage gegen Aussage". Bei dem mutmaßlichen Opfer könnten "Bestrafungs- und Falschbelastungsmotive" nicht ausgeschlossen werden, hieß es vom Gericht. Die Frau habe bei der Anzeige und im Ermittlungsverfahren zur Vorgeschichte und den Umständen der Vergewaltigung zunächst unzutreffende Angaben gemacht. Aufgrund der Untersuchungen und Gutachten könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass sie sich die Verletzungen selbst zugefügt habe.

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Jörg Kachelmann: Der Wettermann
Die Staatsanwaltschaft hatte Mitte Mai Anklage gegen Kachelmann wegen des Verdachts der Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und gefährlicher Körperverletzung erhoben. Die Ermittler werfen Kachelmann vor, Anfang Februar seine langjährige Geliebte, vergewaltigt und mit einem Küchenmesser am Hals verletzt zu haben. Die Frau habe sich von ihm trennen wollen, Tatort soll ihre Wohnung in Schwetzingen gewesen sein. Kachelmann war im März auf dem Rückweg von den Olympischen Spielen in Vancouver auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet worden.

Gutachten ließ Zweifel an Aussage aufkommen

In den vergangenen Wochen wurden jedoch Zweifel an den Aussagen der Frau laut. In einem von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen Gutachten kam eine Psychologin zu dem Schluss, dass die Schilderung der Vergewaltigung nicht die Mindestanforderungen an die logische Konsistenz, Detaillierung und Konstanz erfülle. Das mutmaßliche Opfer könne die Tat selbst bei eingehender Befragung nur vage und oberflächlich wiedergeben, so die Gutachterin.

Die Staatsanwaltschaft schaltete einen Psychotherapeuten ein, der in einem mehr als 30-seitigen Ausführungen die These ausführte, dass die von ihm behandelte Frau an einem traumabedingten Gedächtnisverlust leide.

Zweifel gibt es zudem an der Belastbarkeit von Blutspuren der Frau an einem Messer, das Jörg Kachelmann ihr bei der Tat an den Hals gehalten haben soll.

"Einem Justizskandal ein Ende gesetzt"

"Der Beschluss des Oberlandesgerichts Karlsruhe hat einem Justizskandal Grenzen gesetzt", sagte Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock. Er werde jetzt mit seinem Mandanten konzentriert die Hauptverhandlung vorbereiten, der sie zuversichtlich entgegensähen. "Ich bin nicht dazu da, Vorwürfe zu machen. Ich bin Strafverteidiger, mein Beruf ist es, ungerecht einsitzende Gefangene aus der Untersuchungshaft zu holen - und das ist uns heute Gott sei Dank gelungen", sagte Birkenstock mehreren Nachrichtensendern.

Bis zum Beginn der Gerichtsverhandlung vor dem Mannheimer Landgericht bleibt Kachelmann auf freiem Fuß. Der Prozess soll am 6. September beginnen. Bei einer Verurteilung drohen dem Moderator bis zu 15 Jahre Haft.

Die ARD lässt ihren Wetterexperten nach seiner Freilassung aber noch nicht vor die Kamera. "Wir warten das schwebende Verfahren ab", sagte ein Sprecher der ARD-Programmdirektion am Donnerstag in München. "Durch die Aufhebung des Haftbefehls ist für uns keine neue Ausgangslage entstanden."

siu/dpa/apn/ddp/AFP



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