Gerichtsurteil Die weibliche Brust ist privat, die männliche nicht

Ein Mann filmte im Schwimmbad heimlich die nackte Brust eines Badegastes - und wurde einer Sexualstraftat für schuldig befunden. Dann wurde das Urteil revidiert: Da es sich um eine männliche Brust handelte, sei die Aktion rechtlich unbedenklich. Der Fall löst nun eine heftige Debatte aus.


London - Ein 44-jähriger Mann wurde im vergangenen Jahr vor Gericht einer Sexualstraftat für schuldig befunden, weil er heimlich im Schwimmbad die Brust eines fettleibigen Mannes gefilmt hatte. In dieser Woche wurde dieses Urteil von einem Richter unter Hinweis auf die geltende Rechtslage gekippt.

Die Verteidiger des 44-Jährigen sagten dem "Daily Telegraph", die männliche Brust zähle rechtlich nicht zu den Geschlechtsteilen, anders als der weibliche Busen - nur der genieße gesetzlichen Schutz.

Dies sei auch der Fall, obwohl der gefilmte Mann aufgrund seiner Fettleibigkeit besonders vorstehende Brüste habe.

Auf der Internetseite des "Daily Telegraph" entwickelte sich eine lebhafte Debatte über das Urteil. Einen anderen Mann heimlich mit einer versteckten Kamera zu filmen, könne nun also als "normales Verhalten" angesehen werden, fragte ein Diskussionsteilnehmer. "Kann eine flachbrüstige Frau also nun oben ohne herumlaufen?", fragte ein anderer.

Im Schwimmbad war es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Voyeur und dem Gefilmten gekommen. Letzterer hatte zunächst angenommen, dass Interesse des Mannes mit der versteckten Kamera gelte seiner kleinen Tochter. Er hatte den 44-Jährigen wütend konfrontiert.

"Sie können von Glück sagen, dass Sie an jenem Rag nicht gelyncht worden sind", sagte der Vorsitzende Richter dem Angeklagten im Prozess.

pad/AFP



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