Germanwings-Absturz Neue Vorwürfe gegen Lufthansa-Mediziner

Andreas Lubitz, der den Germanwings-Airbus vor einem Jahr zum Absturz brachte, hätte aufgrund seiner Depression offensichtlich nicht Pilot werden können. Das legen nach Informationen des SPIEGEL Ermittlungsakten nahe.

Absturzstelle in den französischen Alpen
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Absturzstelle in den französischen Alpen


Die Ermittlungsakten zum Absturz des Germanwings-Airbus vor einem Jahr werfen heikle Fragen an die Flugmediziner der Lufthansa auf.

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Heft 11/2016
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Der Co-Pilot Andreas Lubitz, der die Maschine in Selbstmordabsicht in die französischen Alpen steuerte, war offensichtlich nicht von einer schweren Depression mit Selbstmordgedanken geheilt, unter der er während seiner Ausbildung gelitten hatte - und er hätte demnach eigentlich nicht Pilot werden können. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Im Juli 2009 hatte ein Psychiater des flugmedizinischen Dienstes der Lufthansa nach einer Untersuchung geurteilt, Lubitz habe seine schwere Depression überstanden. Er könne "einen Pilotenschein der Klasse 1" empfehlen. Möglicherweise ein Irrtum, denn Lubitz schrieb in einem Eintrag in eine Krankheitschronik, den er selbst auf den "22.12.2009" datierte: "Ich möchte wieder gesund werden … lieber Herrgott im Himmel … gib mir die Kraft, die bösen Gedanken zu vertreiben."

In seiner Pilotenlizenz war die psychiatrische Vorerkrankung zwar vermerkt, jedes Jahr musste sich Lubitz in der Flugmedizin vorstellen. Doch bei den insgesamt fünf Untersuchungen bis zum Absturz am 24. März 2015 ließ die Lufthansa den Piloten nicht von einem Psychologen oder Psychiater begutachten.

In den 6000-seitigen Ermittlungsakten zum Absturz von Flug 4U9525 findet sich keine Unterlage, die auf entsprechende medizinische Kontrollen hinweisen würde. Bei den Check-ups hatten ihn die Mediziner lediglich gefragt, ob er psychische oder neurologische Probleme habe. Dies hatte Lubitz stets verneint.

Bei der Lufthansa sieht man keine Versäumnisse. Weil Lubitz als geheilt galt, habe man ihn auch nicht zu einem Psychiater geschickt. Er habe die Pflicht gehabt mitzuteilen, wenn sich sein Gesundheitszustand verschlechtert, heißt es aus dem Konzern.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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