Germanwings-Absturz Lufthansa skeptisch bei Suche nach Flugdatenschreiber

Der Flugdatenschreiber könnte Aufschluss über den Absturz der Germanwings-Maschine geben - doch die Lufthansa fürchtet, dass er nie gefunden wird.


Düsseldorf - Ermittler erhoffen sich zum Absturz der Germanwings-Maschine weitere Informationen vom Flugdatenschreiber. Im Gegensatz zum Cockpit-Stimmrekorder wurde dieser allerdings bislang nicht gefunden - und die Lufthansa fürchtet, dass dies auch so bleiben könnte. Lufthansa-Manager Kay Kratky verwies in der ARD-Talkshow "Günther Jauch" darauf, dass das Flugzeug mit Tempo 800 und damit mit unvorstellbarer Wucht an dem Bergmassiv nordöstlich von Marseille zerschellte. "Es könnte sein, dass die Belastung hier zu groß war und er keine Signale sendet", sagte Kray über den Flugdatenschreiber.

Am Montag wollen die Bergungskräfte in dem Absturzgebiet die Suche nach Opfern und dem Flugdatenschreiber fortsetzen. Bis zum Abend wollen sie eine Behelfsstraße in dem unwegsamen Gelände errichten, um schwereres Bergungsgerät in die Region zu bringen. Bisher werden Ermittler und Bergungskräfte tagsüber mit Hubschraubern in das unwegsame Gebiet gebracht.

Der Absturz wird für die Düsseldorfer Polizei zu einem der größten Ermittlungseinsätze der vergangenen Jahrzehnte. Mehr als hundert Beamte sollen in der neugebildeten Sonderkommission "Alpen" die Umstände des Germanwings-Absturzes vom vergangenen Dienstag klären.

Die Ermittler sollen die Lebensumstände des Co-Piloten untersuchen, der dringend verdächtig ist, den Airbus mit 150 Menschen an Bord absichtlich in den Sinkflug gesteuert und so zum Absturz gebracht zu haben. Die Sonderkommission soll zudem in ganz Deutschland Indizien sammeln, um die mehr als 70 deutschen Opfer des Unglücks zu identifizieren. "Die Kollegen sind extrem gefordert", sagte Polizeisprecher Andreas Czogalla der "Rheinischen Post".

CDU-Politiker fordert Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht

Polizisten besuchen meistens gemeinsam mit Seelsorgern oder Psychologen die Angehörigen der Opfer und deren Wohnungen, um nach persönlichen Erkennungszeichen wie Tätowierungen oder Zahnersatz zu fragen und gleichzeitig in Haarbürsten oder anderswo nach genetischen Spuren zu suchen. "Wir suchen Haut- und Haarpartikel", sagte ein Ermittler, "von denen kann das Bundeskriminalamt dann den genetischen Code bestimmen und diese Daten den französischen Kollegen zum Abgleich schicken."

Bislang haben die Ermittler von insgesamt 78 Menschen, also gut der Hälfte der Opfer, die DNA sichern können. Die Spuren sollen zur Identifizierung der Toten mit Vergleichsproben von Familienangehörigen abgeglichen werden. "Wir haben noch keine Opfer identifiziert, sondern DNA-Spuren", sagte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin.

Derweil hat der CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht für sensible Berufe angeregt. Piloten müssten "zu Ärzten gehen, die vom Arbeitgeber vorgegeben werden", zitierte die "Rheinische Post" den Politiker. Diese Ärzte müssten "gegenüber dem Arbeitgeber und dem Luftfahrtbundesamt von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden sein", forderte Fischer.

Sein Düsseldorfer CDU-Kollege Thomas Jarzombek schlug die Einrichtung einer Expertenkommission vor. Diese solle klären, wie mit ärztlichen Diagnosen bei Menschen in besonders verantwortungsvollen Berufen wie Piloten umgegangen werden müsse. Der Co-Pilot soll an psychischen Problemen gelitten haben, diese hatte er vor seinem Arbeitgeber aber offenbar verheimlicht.

syd/AFP/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 383 Beiträge
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Seite 1
t dog 30.03.2015
1. Eine Blackbox
ist so gebaut, das sie alles denkbare übersteht. Zusätzlich ist sie mit einem GPS Sender versehen. Wie kann es möglich sein, das die nicht auffindbar ist?
rudi.waurich 30.03.2015
2. Der Flugschreiber
sendet keine Signale. Signale sendet nur die Underwater Locator Beacon ULB bei Kontakt mit Wasser.
cptlars 30.03.2015
3. Wer soll das festlegen?
Was ist denn ein besonders sensibler Beruf?
Holperik 30.03.2015
4. Flugdatenschreiber
Senden die nicht nur dann Signale, wenn sie im Wasser landen? An Land reicht normalerweise die Signalfarbe, ihn aufzufinden, wenn, wie in diesem Fall, die Wucht des Aufpralls nicht so extrem hoch ist, dass er komplett zerstört wird. Dass der Cockpit Voice Recorder noch einigermaßen heil geblieben ist wohl eher ein Produkt des Zufalls.
jsobo 30.03.2015
5. Neee sorry...
... aber solch populistisches Vorpreschen ist totaler Schwachfug. 1. Die Gesellschaft hat ein Problem. Warum? Ausgrenzung etc. die auf Egoismus beruht. Leute die "anders" sind, mit denen will niemand etwas zu tun haben. 2. Die Ausführung 1. belegt, warum es Amokläufer gibt. Dazu gehören alle Altergruppen und Geschlechter. 3. Einzelne Maßnahmen ändern nichts. Das ist Kurzsichtigkeit und ein mangelndes Bild am Gesamtproblem. Was könnte helfen? JEDER in der Gesellschaft. Auch Sie, den Sie diesen Text hier grade lesen TUT bitte etwas! Was tun? Wenn etwas komisch ist nicht wegsehen. Nicht weggehen. Nicht ignorieren. Nicht im vorbeifahren mit dem Handy Fotos und Videos davon machen. Sondern engagieren. Fünf Minuten in zwei Jahren können die Welt besser machen...!
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