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Germanwings-Absturz: Was über den Co-Piloten bekannt ist 

Die Ermittler sind sich sicher: Andreas L. brachte Germanwings-Flug 9525 über den Alpen absichtlich zum Absturz. Stationen seiner beruflichen Laufbahn.

Die Ermittler in Frankreich gehen davon aus, die Ursache für den Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen gefunden zu haben. "Es sieht so aus, als ob der Co-Pilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und so zerstört hat", sagte Staatsanwalt Brice Robin in Marseille. Was ist über Andreas L. bekannt? Der Überblick:

Was wir bislang wissen

  • Andreas L. war 27 Jahre alt und stammte aus der rheinland-pfälzischen Kleinstadt Montabaur, in der Nähe von Koblenz. Dort wohnte er bei seinen Eltern. Er hatte aber auch eine Wohnung in Düsseldorf.
  • Er war bereits als Jugendlicher Mitglied des Segelfliegervereins LSC Westerwald, wo er seine ersten Flugstunden erhielt. Das langjährige Vereinsmitglied Peter Rücker sagte, er sei ein netter junger Mann gewesen, "lustig und vielleicht manchmal ein bisschen ruhig". Er sei beliebt im Verein gewesen und kein Einzelgänger. Er traue es Andreas L. nicht zu, das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht zu haben, sagte Rücker. "Ich bin einfach nur sprachlos. Ich habe keine Erklärung dafür."
  • Andreas L. machte 2007 sein Abitur und begann 2008 seine Ausbildung zum Piloten an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen. Er habe seine Ausbildung zum Piloten für mehrere Monate unterbrochen, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr auf einer Pressekonferenz. Dies sei aber nicht unüblich. Er war nach Angaben der Airline zunächst als Flugbegleiter tätig, bis er als Pilot eingesetzt wurde.
  • Er war seit September 2013 als Pilot bei der Lufthansa-Tochter Germanwings beschäftigt und hat 630 Flugstunden absolviert. "Er war zu 100 Prozent flugtauglich, ohne Einschränkungen und Auflagen", sagte Spohr.
  • Im Januar 2015 wurde ihm bei einer routinemäßigen Sicherheitsüberprüfung zuletzt bescheinigt, dass keine strafrechtlichen oder extremistischen Sachverhalte gegen ihn vorliegen.
  • Als erster Offizier war er Co-Pilot der abgestürzten Maschine.
  • Nach Informationen des SPIEGEL fanden Ermittler bei der Durchsuchung seiner Düsseldorfer Wohnung Hinweise darauf, dass der 27-Jährige psychisch krank war.

Was wir noch nicht wissen

  • Was waren die Motive von Andreas L.? War es ein Suizid? Oder stehen andere Absichten dahinter?
  • War die Tat geplant? Und konnte er davon ausgehen, dass sein Kollege während des Flugs das Cockpit verlassen würde?
  • Warum unterbrach Andreas L. seine Ausbildung im Jahr 2009? Lufthansa-Chef Spohr berief sich auf die ärztliche Schweigepflicht, die auch über den Tod hinaus gelte. Bei L. sei die Eignung anschließend wieder festgestellt worden, er habe die Ausbildung fortgesetzt.

Hinweis an unsere Leser: Die Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat sich entschieden, den Namen des Co-Piloten derzeit nicht vollständig zu nennen und ihn auch nicht im Bild zu zeigen.


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fab/dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 227 Beiträge
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1. Fassungslos
geo11a 26.03.2015
einfach fassungslos. Mir standen die Tränen in den Augen. Aber ist man in diesem unserem Lande nicht etwa zu oberflächlich geworden? Wenn irgendetwas mit dem jungen Mann nicht gestimmt haben sollte, hätte er nie wieder ins Cockpit gedurft.
2. Widerlich!
Ryker 26.03.2015
Was wir wissen: Identität und Werdegang des Piloten sind für den öffentlichen Diskurs vollkommen irrelevant. Schämen Sie sich, pfui, pfui, pfui. Was wir nicht wissen: Was ist passiert. Melden Sie sich wieder, wenn sich das geändert hat.
3. Keine Schlussfolgerungen ziehen
ralbec 26.03.2015
Das Wichtigste ist jetzt, keine Schlussfolgerungen in Bezug auf seine Person zu ziehen. Der Co-Pilot sollte auch jetzt noch als unbescholten gelten, solange das Gegenteil, naemlich seine Schuld, nicht zweifelsfrei bewiesen ist. Zumal er sich selber nicht mehr wehren kann.
4. Jetzt bloß kein Übereifer
flammermann 26.03.2015
ich fände es jetzt fatal, wenn man anhand der Vorgeschichte des jungen Co-Piloten alle Piloten mit bestimmten Eigenschaften unter Generalverdacht stellen würde. Bei den tausenden von Flügen pro Tag kann es leider auch Situationen geben, in denen der ein oder andere Pilot mal einen Suizid durchführt. Ein Restrisiko bleibt eben immer bestehen.
5. Bitte lasst doch das Spekulieren und das Fragen
Bergfalke63 26.03.2015
("was wir noch nicht wissen")und vor allem lasst die Angehörigen des Co Piloten in Ruhe! Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der Opfer - die Eltern und die Angehörigen des Co Piloten gehören mit Sicherheit dazu.
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Notfallnummern Germanwings-Absturz
Auswärtiges Amt
030 / 50 00 30 00
Flughafen Düsseldorf
0800 / 77 66 350
Germanwings
0800 / 11 33 55 77
Flughafen Barcelona
0034 / 900 808 890

Flugzeugunglücke bei Lufthansa und Tochterunternehmen
 
Der letzte Absturz einer Passagiermaschine der Lufthansa liegt bereits mehr als 20 Jahre zurück. Das Unglück in Frankreich ist der erste Totalverlust eines Flugzeugs bei der Lufthansa-Tochter Germanwings. Hier eine Liste von Flugzeugunglücken des Lufthansa-Konzerns.
(Quelle: dpa)
Januar 1959
36 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Super Constellation in der Bucht von Rio der Janeiro (Brasilien)
Dezember 1961
3 Tote beim Absturz während des Testfluges einer Lufthansa-Boeing 720 B südlich von Mainz
Juli 1964
3 Tote beim Absturz während des Übungsfluges einer Lufthansa-Boeing 720 B nahe Petersdorf (Rheinland-Pfalz)
Januar 1966
46 Tote beim Absturz einer Convair 440 Metropolitan der Lufthansa am Flughafen Bremen
Dezember 1973
3 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Boeing 707 beim Landeanflug auf Neu Delhi (Indien)
November 1974
59 Tote beim Absturz eines Lufthansa-Jumbo Jets kurz nach dem Start vom Flughafen Nairobi (Kenia)
Juli 1979
3 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Boeing 707 an einem Berg nahe Rio de Janeiro (Brasilien)
Januar 1988
16 Tote beim Absturz einer Boeing 737 der Lufthansatochter Condor bei Izmir (Türkei)
Januar 1993
4 Tote beim Absturz einer im Auftrag der Lufthansa fliegenden Dash 8-300 der Contact Air vor der Landebahn des Pariser Flughafens Charles de Gaulle
September 1993
2 Tote, als eine A320 im polnischen Warschau über die Landebahn hinausschoss.
Juli 1999
5 Tote beim Absturz eines Flugzeugs der Lufthansa-Tochter Cargo India nach dem Start von Kathmandu (Nepal)
Fotostrecke
Germanwings-Unglück: Komplizierte Bergung in den französischen Alpen


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