Germanwings-Katastrophe Hinterbliebene drohen ihren Anwälten mit Klage

Kurz vor dem Jahrestag des Germanwings-Absturzes drohen Angehörige der Opfer nach SPIEGEL-Informationen ihren Anwälten mit Schadensersatzklage. Sie fürchten, von ihnen über den Tisch gezogen zu werden.

Gedenkort in Le Vernet
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Gedenkort in Le Vernet

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Der 24. März an sich ist für die Hinterbliebenen der Germanwings-Katastrophe schon ein schreckliches Datum. Doch in diesem Jahr, zwei Jahre nachdem der Kopilot Andreas Lubitz einen Airbus mit 149 Menschen an Bord gegen einen Berg in den französischen Alpen steuerte, bedeutet es für einen Teil der Hinterbliebenen zusätzliche Pein. Denn mit Ablauf des 24. März läuft auch die Frist aus, Schadensersatzansprüche gegen Lufthansa gerichtlich geltend zu machen. Und genau darum ist Aufregung unter den Angehörigen entstanden. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 8/2017
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Die Angehörigen fürchten, von ihren eigenen Anwälten über den Tisch gezogen zu werden. Deshalb drohen sie ihnen nach Informationen des SPIEGEL mit Klage. Ein Teil der Hinterbliebenen wird vom Mönchengladbacher Opferanwalt Christof Wellens und der New Yorker Anwaltskanzlei Kreindler & Kreindler vertreten, die eine Klage in den USA angestrengt, aber noch keine Klage gegen die Fluggesellschaft in Deutschland erhoben haben.

Die US-Juristen besitzen laut Mandatsvertrag die "ausschließliche Berechtigung" zur Wahrnehmung "aller juristischer Schritte". Für einen Schadensersatzprozess in Deutschland fehlt ihnen aber die Zulassung. Die Angehörigen befürchten deshalb, nach dem Verstreichen der Frist keinen Schadensersatz zu erhalten. Außerdem könnte eine Klausel im Vertrag so ausgelegt werden, dass die US-Anwälte im Fall einer Entschädigung aus Deutschland Zugriff auf das Geld hätten.

Kreindler-Anwalt Marc Moller bestreitet das, man werde den Hinterbliebenen nur ein Honorar berechnen, wenn die Klage in den USA erfolgreich wäre. Was Wellens in Deutschland erstreite, wolle man nicht anrühren. "Wir alle haben uns verpflichtet, das Beste für unsere Mandanten zu erwirken", sagt er. Wellens erklärt, seine Kanzlei sei für die deutschen Rechtsfragen zuständig und werde "nach Rechtsanwaltsvergütungsgesetz" dafür bezahlt.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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