Germanwings-Absturz Hinterbliebene lehnen Schmerzensgeld-Angebot der Lufthansa ab

25.000 Euro sind ihnen nicht genug: Hinterbliebene der Germanwings-Katastrophe haben das Entschädigungsangebot der Lufthansa zurückgewiesen. "Die Empörung ist sehr groß", sagt ein Opferanwalt.

Trümmerteil der abgestürzten Germanwings-Maschine (Archiv): 150 Menschen starben beim Absturz am 24. März
DPA

Trümmerteil der abgestürzten Germanwings-Maschine (Archiv): 150 Menschen starben beim Absturz am 24. März


Dutzenden Hinterbliebenen von Opfern des Germanwings-Absturzes reicht das von der Lufthansa angebotene Schmerzensgeld nicht aus. "Wir lehnen das Angebot ab, weil die Hinterbliebenen es als unangemessen empfinden", sagte der Berliner Anwalt Elmar Giemulla, der nach eigenen Angaben mehr als 30 Opferfamilien vertritt. Die Angehörigen seien zornig über das Verhalten der Airline. "Die Empörung ist sehr groß. Wir erwarten jetzt ein neues Angebot."

Germanwings ist eine Tochtergesellschaft der Lufthansa. Diese hatte vorgeschlagen, dass die rechtmäßigen Erben von deutschen Opfern 25.000 Schmerzensgeld erhalten. Das sei "zu wenig", sagte Giemulla und forderte mindestens 100.000 Euro für jedes Opfer.

Auch das Angebot der Lufthansa, nächsten Angehörigen wie Eltern, Kindern oder Lebenspartnern ohne weitere Prüfung jeweils ein Schmerzensgeld von 10.000 Euro zu zahlen - für "unterstellte eigene Gesundheitsschäden" - nannte der Anwalt unangemessen. Die Gruppe sei zu klein gefasst, zudem müsse der Betrag "im unteren sechsstelligen Bereich liegen", schrieb Giemulla in einem Brief an die Gegenseite. Er forderte, auch Großeltern, Geschwister sowie Enkel einzubeziehen.

Bei dem Absturz der Germanwings-Maschine am 24. März in den französischen Alpen kamen alle 150 Menschen an Bord ums Leben, darunter viele Deutsche. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft sperrte der Co-Pilot den Flugkapitän aus dem Cockpit aus und brachte die Maschine absichtlich zum Absturz. Der 27-Jährige hatte nach Überzeugung der Ermittler psychische Probleme und Suizidgedanken, die er vor seinem Arbeitgeber verheimlichte.

Lesen Sie zu dem Thema auch das Interview mit dem Zivilrechtsexperten Thomas Kadner Graziano. Er hält das angebotene Schmerzensgeld "in manchen Fällen für großzügig".


SPIEGEL TV Reportage

wit/dpa/AFP

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