Germanwings-Katastrophe Hinterbliebener zeigt Ärztin des Co-Piloten an

Beim Germanwings-Absturz vor gut einem Jahr verliert ein Düsseldorfer Tochter und Enkel. Nun stellt er Strafanzeige gegen die Hausärztin des Co-Piloten.


Gut ein Jahr nach der Germanwings-Katastrophe hat ein Hinterbliebener die Hausärztin des psychisch kranken Co-Piloten angezeigt. Einen entsprechenden Bericht der "Welt" bestätigte die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft.

Der Mann hatte der Zeitung zufolge seine Tochter und seinen 18 Monate alten Enkel verloren, als der Co-Pilot das Flugzeug absichtlich zum Absturz brachte. Der Düsseldorfer wirft der Ärztin demnach vor, weder den Arbeitgeber des Co-Piloten, die Lufthansa, noch das Luftfahrtbundesamt (LBA) über die von ihr diagnostizierten seelischen Störungen informiert zu haben. Die ärztliche Schweigepflicht gelte in einem solchen Fall nicht mehr, soll der Mann in seiner Strafanzeige argumentiert haben.

Über die Anzeige sagte Staatsanwalt Christoph Kumpa, sie werde "im Rahmen des Todesermittlungsverfahrens geprüft". Ob noch weitere Anzeigen von Angehörigen vorlägen, sei ihm nicht bekannt. Es gebe aber zahlreiche Anzeigen von Nichtbetroffenen gegen "alle möglichen" Beteiligten.

Der 61 Jahre alte Vater aus Düsseldorf hatte vor einigen Wochen bereits den flugmedizinischen Dienst der Lufthansa und Verantwortliche des LBA angezeigt. Nachdem er die französischen Ermittlungsakten zu dem Absturz studiert habe, sei er zu der Überzeugung gelangt, dass der Co-Pilot nach einer schon bekannten schweren Depression nicht hätte Pilot eines Verkehrsflugzeugs werden dürfen.

Zum Stand des Ermittlungsverfahrens sagte Kumpa, dass die Übersetzungen der Unterlagen der französischen Ermittler inzwischen abgeschlossen seien. Derzeit würden alle Unterlagen gescannt, damit in Kürze allen Berechtigten Akteneinsicht gewährt werden könne. Wann dies genau sei, könne er aber nicht sagen.

Bei der Katastrophe in den französischen Alpen am 24. März 2015 waren alle 150 Insassen der Maschine getötet worden. Im April beschloss der Bundestag deswegen ein Gesetzespaket mit strengeren Kontrollen für Piloten. So sollen Piloten bei Verdacht und unangemeldet in Stichproben auf Drogen, Alkohol und Medikamente getestet werden können.

apr/dpa

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