Germanwings-Absturz US-Behörden wussten von Depression des Co-Piloten

Andreas Lubitz brachte eine Germanwings-Maschine mit 150 Menschen an Bord absichtlich zum Absturz. Jetzt kommt heraus, dass US-Behörden bereits 2010 von den psychischen Problemen des Piloten wussten.

Germanwings-Flugzeuge: Todespilot Lubitz litt unter psychischen Problemen
DPA

Germanwings-Flugzeuge: Todespilot Lubitz litt unter psychischen Problemen


Gut einen Monat nach der Germanwings-Katastrophe in den französischen Alpen ist bekannt geworden, dass US-Behörden bereits 2010 über psychische Probleme des Todespiloten Andreas Lubitz informiert waren. Aus jüngst veröffentlichten Regierungsdokumenten geht hervor, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA wegen der Erkrankung zögerte, dem damaligen Lufthansa-Flugschüler einen US-Pilotenschein auszustellen.

Lubitz musste damals einen Teil seiner Ausbildung im US-Bundesstaat Arizona absolvieren. In dem Antragsformular aus dem Juni 2010 gab er zunächst an, er habe keine psychischen Probleme. Kurz darauf legte er einen neuen Antrag vor und informierte die Lizenzbehörde darüber, dass er unter einer schweren Depression gelitten habe. Ein Hinweis darauf, dass er die Depressionen offenbar zunächst verheimlichen wollte.

Der Arzt attestierte eine komplette Genesung

Die FAA warnte Lubitz, die Lizenz könne nur erteilt werden, wenn er eine Erklärung seines Arztes vorlege. In dem Schreiben des Arztes heißt es: Lubitz habe unter einer "schweren depressiven Episode" gelitten "ohne psychotische Symptome". Lubitz sei aber "komplett geheilt". Behandelt worden war Lubitz mit den Psychopharmaka Cipralex und Mirtazapin.

Die Behörde nahm daraufhin ihre Bedenken zurück und erteilte Lubitz sein medizinisches Zertifikat und die US-Pilotenlizenz. Die Ermittler sind überzeugt davon, dass der Germanwings-Pilot am 24. März den Flug 4U9525 bewusst abstürzen ließ. Bei dem Unglück starben 150 Menschen.

Lubitz hatte 2009 wegen der Erkrankung seine Ausbildung für mehrere Monate unterbrochen. Danach informierte er die Lufthansa über die "abgeklungene schwere depressive Episode" und nahm seine Ausbildung wieder auf. Er absolvierte alle weiteren medizinischen Checks erfolgreich. Die Lufthansa teilte mit, sie habe bis zuletzt nicht gewusst, dass Lubitz wegen psychischer Probleme erneut in Behandlung war. Am Tag des Unglücks flog er trotz einer Krankschreibung.

Die Lufthansa wollte sich zu den neuen Erkenntnissen nicht äußern. Man habe auch erst durch Veröffentlichungen von US-Medien von den Dokumenten erfahren, sagte eine Sprecherin.

sms/AP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
vhn 30.04.2015
1. Es heißt Mirtazapin
Ohne "e"
postnational 30.04.2015
2. Depressionen können nicht mit Psychopharmaka „behandelt“ werden.
Psychopharmaka lindern bestenfalls die Symptome, da aber Depressionen keine Krankheit sind, sondern eine Störung, können sie auch nur austherapiert werden durch Bewußtwerdung der Ursachen des seelischen Raubbaus und eine aktive Änderung er Lebensumstände. Ein fähiger Therapeut hätte Andreas Lubitz locker zum Reden und darüber zur Erkenntnis gebracht, was er in seinem Leben hätte ändern müssen.
azorba 30.04.2015
3.
Warum wurden die Daten des Flugschreibers bis heute nicht veröffentlicht?
wahrsager26 30.04.2015
4. Lubitz
Nun,jetzt könnte man der amerikanischen Luftaufsichtsbehörde auch etwas anhängen....der größere Fehler ist aber wohl hierzulande und bei LH zu suchen.Das Beste ist aber,das alle verqueren Verschwörungstheorien im Forum eine Abfuhr erfahren haben-war ja teilweise zum Danke ....
eigene_meinung 30.04.2015
5. nebenwirkungen
Zitate aus dem Beipackzettel (Internet) von Cipralex: "Nebenwirkungen (...) Suizidgedanken und Verschlechterung Ihrer Depression/Angststörung Wenn Sie depressiv sind oder unter Angststörungen leiden, können Sie manchmal Gedanken daran haben, sich selbst zu verletzen oder Suizid zu begehen. Solche Gedanken können bei der erstmaligen Anwendung von Antidepressiva verstärkt sein, denn alle diese Arzneimittel brauchen einige Zeit bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal auch länger. Das Auftreten derartiger Gedanken ist wahrscheinlicher: - wenn Sie bereits früher einmal Gedanken daran hatten, sich das Leben zu nehmen oder daran gedacht haben, sich selbst zu verletzen, - wenn Sie ein junger Erwachsener sind. Ergebnisse aus klinischen Studien haben ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Suizidverhalten bei jungen Erwachsenen im Alter bis 25 Jahre gezeigt, die unter einer psychiatrischen Erkrankung litten und mit einem Antidepressivum behandelt wurden. Gehen Sie zu Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf, wenn Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Gedanken daran entwickeln, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Es kann hilfreich sein, wenn Sie einem Freund oder Verwandten erzählen, dass Sie depressiv sind oder unter einer Angststörung leiden. Bitten Sie diese Personen, diese Packungsbeilage zu lesen. Fordern Sie sie auf Ihnen mitzuteilen, wenn sie den Eindruck haben, dass sich Ihre Depression oder Angstzustände verschlimmern oder wenn sie sich Sorgen über Verhaltensänderungen bei Ihnen machen. " Mirtazapin: "Nebenwirkungen (...) Gedanken sich selbst zu verletzen oder Suizid zu begehen. (...) Häufig: Teilnahmslosigkeit, Schwindel, Wackeligkeit oder Zittern, (...) Schwindel oder Ohnmacht bei plötzlichem Aufstehen (orthostatische Hypotonie), (...) Müdigkeit, lebhafte Träume, Verwirrtheit, Angst (...)" Toll, dass so etwas gegen Depression verschrieben werden darf. Die wahren Schuldigen an dem Unglück sind die Pharmaindustrie, die "behandelnden" Ärzte, die schlafmützigen "Gesundheits"politiker.
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