Die meisten Analysten sind bislang davon ausgegangen, dass al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel sich eher als regional agierende Terrororganisation sieht. Abdulmutallabs Einsatz könnte nun den ersten internationalen Anschlagsversuch der Truppe darstellen.
Bisher ist kein Bekennerschreiben zu dem Anschlagsversuch aufgetaucht. Allerdings liegt eine Meldung des Washingtoner IntelCenters vor: Derzufolge sagte ein Mann, der am 21. Dezember oder kurz zuvor im Namen von al-Qaida im Jemen auftrat: "Wir tragen eine Bombe, um die Feinde Gottes zu treffen." Das IntelCenter ist ein privates Institut, das sich auf die Beobachtung von Terrorbotschaften spezialisiert hat und zu dessen Kunden auch Regierungsbehörden verschiedener Staaten zählen.
Abdulmutallabs Biografie lässt keine Rückschlüsse auf mögliche Qaida-Verbindungen zu. Allerdings wurde nun bekannt, dass der 23-Jährige bereits mehrere Male durch seine starke ideologische Prägung aufgefallen ist. Abdulmutallabs Vater habe die US-Behörden laut einem nigerianischen Zeitungsbericht schon vor Monaten vor den radikal-islamischen Überzeugungen seines Sohnes gewarnt. Alhaji Umaru Mutallab, ein angesehener Bankier und ehemaliger nigerianischer Minister, sei über die zunehmende Radikalität seines Sohnes so besorgt gewesen, dass er im Sommer die US-Botschaft in Ajuba und nigerianische Sicherheitsvertreter informiert habe, berichtete "This Day" am Samstag unter Berufung auf Angehörige. Umso erstaunter sei der Vater dann gewesen, als sein Sohn Umar Faruk ein US-Visum erhalten hat.
Abdulmuttalab, das jüngste von 16 Kindern
In Großbritannien wurde Abdulmuttalab wegen Sicherheitsbedenken die Einreise verweigert, seinen Antrag auf ein Visum lehnten die Behörden ab. Der junge Mann durfte sich von 2005 bis 2008 in Großbritannien aufhalten, weil er am University College in London Maschinenbau studierte. Als er im vergangenen Mai für einen weiteren sechsmonatigen Maschinenbaukurs nach London zurückkehren wollte, wurde das College von den Behörden nicht mehr anerkannt, bestätigte ein Regierungsvertreter einen Bericht der "Sunday Times".
Abdulmuttalab ist das jüngste von 16 Kindern. Er besuchte die British International School in der togolesischen Hauptstadt Lomé. Später studierte er Maschinenbau, wohnte in London in einem Haus seiner Familie. Auch an der British School fiel Abdulmuttalab offenbar durch seine religiösen Ansichten auf. Wegen seiner anhaltenden Reden über den Islam gaben seine Klassenkameraden ihm den Spitznamen "Alfa", Gelehrter, berichtet "This Day" . Dem Blatt zufolge zog Abdulmuttalab nach Ende seiner Londoner Studien 2008 nach Ägypten und Dubai. Dort brach er alle Verbindungen zu seiner Familie ab.
Michael Rimmer, ein ehemaliger Lehrer Abdulmutallabs, sagte der BBC, dass der Junge sich schon als Jugendlicher positiv über das afghanische Taliban-Regime geäußert habe. "Während meine anderen muslimischen Schüler die Taliban für einen Haufen von Spinnern hielten, fand er sie ganz in Ordnung", sagte Rimmer. Dennoch sei Abdulmuttalab ein "Traumschüler" gewesen: "sehr aufgeweckt, intelligent, talentiert, enthusiastisch und höflich". Alle hätten ihm eine große Karriere vorhergesagt - nun habe er sein Leben ruiniert.
Mit Material der Agenturen
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