Gesetzesänderung Polen beschließt chemische Kastration von Pädophilen

Polen hat die sogenannte chemische Kastration eingeführt. Sexualstraftäter, die Minderjährige vergewaltigt oder Inzest mit Kindern begangen haben, müssen sich künftig nach ihrer Haftstrafe einer Zwangsbehandlung unterziehen - der Sexualtrieb wird dabei mit Arzneimitteln unterdrückt.


Warschau - Nach jahrelanger Debatte und einem kontroversen Gesetzgebungsprozess hat Polen die Strafen für Kinderschänder drastisch verschärft. Verurteilte Pädophile und Inzesttäter werden künftig einer sogenannten chemischen Kastration unterzogen. Polnische Gerichte sind verpflichtet, Sexualstraftäter, die Minderjährige unter 15 Jahren vergewaltigt haben oder Inzest mit Kindern begangen haben, für eine Zwangsbehandlung einzuweisen. Bisher blieb den Richtern die Entscheidung vorbehalten, ob sie diese Maßnahme anordnen.

Die zweite Kammer des polnischen Parlaments, der Senat, hat am Donnerstag in Warschau eine entsprechende Änderung des Strafgesetzbuches beschlossen - bei nur einer Enthaltung.

Das Parlament erhöhte außerdem die Strafen für Kindervergewaltiger. Ihnen drohen jetzt 3 bis 15 Jahre Haft statt bisher zwei bis zwölf Jahre. Verfolgt werden sollen zudem auch Pädophile, die im Internet Kontakte mit Minderjährigen suchen.

Ex-Justizminister Wlodzimierz Cimoszewicz, der sich als Einziger bei der Abstimmung enthielt, hatte während der Debatte Vorbehalte geäußert. Er warnt, eine Therapie ohne Zustimmung des Patienten könne Menschenrechte verletzen und damit gegen Polens internationale Verpflichtungen verstoßen.

Ein Vertreter des Justizministeriums argumentierte hingegen, der Sexualtrieb der Straftäter werde mit der "chemischen Zwangskastration" nicht endgültig zerstört, sondern nur zeitweise gedämpft. Bei Gefahr für Leben oder Gesundheit des Patienten soll zudem von der Therapie abgesehen werden.

Bei der chemischen Kastration werden mit Arzneimitteln Sexualhormone blockiert, so dass der Sexualtrieb unterdrückt wird.

Die große Mehrheit der Polen fordert ein scharfes Vorgehen gegen Sexualstraftäter. Das polnische Abgeordnetenhaus hatte das Gesetz bereits Ende September bei nur einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen verabschiedet.

Polens Ministerpräsident Donald Tusk hatte eine drastische Verschärfung der Strafen für Sexualstraftäter angekündigt, nachdem in Ostpolen im September 2008 ein Inzestfall aufgedeckt worden war. Ein 45-jähriger Mann soll dort sechs Jahre lang seine Tochter immer wieder vergewaltigt und zwei Kinder mit ihr gezeugt haben.

siu/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 112 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Klo, 22.10.2009
1. na ja
Zitat von sysopPolen hat die sogenannte chemische Kastration eingeführt. Sexualstraftäter, die Minderjährige vergewaltigt oder Inzest mit Kindern begangen haben, müssen sich künftig nach ihrer Haftstrafe einer Zwangsbehandlung unterziehen - der Sexualtrieb wird dabei mit Arzneimitteln unterdrückt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,656747,00.html
Klingt gut, ist aber vermutlich menschenrechtswidrig.
M@ESW, 22.10.2009
2. _
Typisch rückständiges Polen. Haben wohl noch nichts von gehört das ein virtuelles Stoppschild viel günstiger wäre ;)
Andreas58 22.10.2009
3. Auch in Deutschland----
gibt es das Medikament "Androcur", was entsprechendem Klientel verabreicht wird. Also..........viel Lärm um nix.
kobmicha 22.10.2009
4. Bravo Polen!
So wie die Polen es machen sollte mindestens ganz Europa vorgehen. Oder sind deutsche minderjährige weniger schützenswert als polnische. Was ist mit der deutschen Gerichtsbarkeit nur los? Ist Unfähigkeit eine Voraussetzung um Richter in Deutschland zu werden!
gilian 22.10.2009
5. ?
Zitat von M@ESWTypisch rückständiges Polen. Haben wohl noch nichts von gehört das ein virtuelles Stoppschild viel günstiger wäre ;)
Und was hat ein virtuelles Stoppschild mit physischer Kastration zu tun?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.