Geständnis des Mary-Jane-Mörders "Mir war klar: Ey, das musst du machen"

Der wegen des Mordes an der siebenjährigen Mary-Jane angeklagte Tino L. hat zum Prozessauftakt alle Vorwürfe eingeräumt. Mit den Worten "tut mir auch ganz herzlich leid" versuchte er, sich zu entschuldigen und beschrieb seine unfassbare Tat.

Tino L. vor Gericht: "Gib's zu" rief jemand im Publikum
DPA

Tino L. vor Gericht: "Gib's zu" rief jemand im Publikum


Meiningen/Zella-Mehlis - Während Tino L. beschrieb, wie er die Schlinge des Bademantels um den zierlichen Kinderhals zugezogen hatte, wischte er sich heftig über die Augen. Der große blonde Mann sprach einsilbig, leise, oft nickte er nur. Den Mord an der siebenjährigen Mary-Jane bestätigte er mit einem Satz: "Das stimmt, tut mir auch ganz herzlich leid." Später antwortete er nur noch stoisch, wurde beinahe aggressiv. Mary-Janes Mutter sah dem Peiniger ihrer Tochter gefasst in die Augen.

Bereits nach seiner Festnahme Anfang Juli hatte der Mann die Taten gestanden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm heimtückischen Mord und schweren sexuellen Missbrauch vor. Nun begann die Verhandlung vor dem Landgericht Meiningen.

Am Morgen des ersten Prozesstages standen die Menschen schon früh Schlange vor dem Gerichtsgebäude. Im Publikum flossen Tränen - "Gib's zu!", rief jemand laut. Tino L., selbst zweifacher Vater, würdigte die Zwischenrufer keines Blickes. Stattdessen erzählte der 38-Jährige widerwillig, wie er die Erstklässlerin auf dem Heimweg vom Schulhort abgepasst hatte, in der Badewanne missbrauchte, am nächsten Morgen mit dem Bademantel-Gürtel würgte und mit dem Gesicht nach unten in einem Bach ablegte. Mary-Jane ertrank.

Tino L. nimmt Aussage vom Sommer zurück

Den Missbrauch habe er nicht geplant gehabt, sagte Tino L. "Zu der Zeit habe ich eigentlich nicht daran gedacht." Die Sache habe "sich halt so kurzfristig ergeben" und könne wohl damit zusammenhängen, dass er seit einem Gefängnisaufenthalt 2009 keinen Sex mehr hatte. In der Vernehmung im Sommer hatte Tino L. noch eingeräumt, den Missbrauch lange geplant zu haben.

Noch in der Nacht habe er kalte Füße bekommen, erzählte der Angeklagte, der bereits wegen Verkehrs- und Drogendelikten vorbestraft ist. Das zutrauliche Mädchen hätte ja vom Missbrauch erzählen können. Es habe sie aus dem Weg schaffen müssen. "Mir war klar: Ey, das musst du machen."

Er sei mit ihr am frühen Morgen in den Wald gegangen. Als Mary-Jane Kühe auf einer Weide beobachtete, würgte er sie mit einem Bademantel-Gürtel - bis sie sich nicht mehr bewegte. Zur Sicherheit legte er das Mädchen mit dem Gesicht nach unten in einen eiskalten Bach und fuhr zur Arbeit.

Wenige Tage nach diesen schrecklichen Stunden wäre Mary-Jane acht Jahre alt geworden, sie hätte ihr erstes Schulzeugnis bekommen, hatte sich auf die Sommerferien gefreut.

Nach der Tat sei er zurück in seine Wohnung und später in die Wäscherei gegangen, wo er arbeitete. Den roten Schulranzen des Mädchens habe er nach der Arbeit in einem Kellerverschlag versteckt und den Gürtel in einem Kleidercontainer entsorgt.

Theresa Münch, dpa/dapd/bim

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.