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Geständnis im "Ehrenmord"-Prozess: "Sie hat es verdient"

Vor den Augen des gemeinsamen Sohnes stach Kazim M. vor einem Jahr in Garching auf seine gerade von ihm geschiedene Frau ein, danach verbrannte er sie bei lebendigem Leib. Nun steht der Iraker wegen Mordes vor Gericht. Von Reue zeigte M. keine Spur - im Gegenteil.

München - Mit Stolz hat ein 36-jähriger Mann vor dem Münchner Schwurgericht einen sogenannten Ehrenmord an seiner Frau nur wenige Stunden nach der Scheidung gestanden. "Sie hat mich verraten. Sie hat es verdient" sagte der Iraker heute zum Prozessauftakt.

Angeklagter Kazim M.: "Ich bereue nicht, dass ich sie getötet habe"
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Angeklagter Kazim M.: "Ich bereue nicht, dass ich sie getötet habe"

"Ihr Vater sagte, wenn du sie nicht tötest, bringe ich dich um, wenn du nach Kurdistan zurückkehrst." Vor den Augen ihres gemeinsamen fünfjährigen Sohnes hatte Kazim M. seine elf Jahre jüngere Frau Sazan im Oktober vergangenen Jahres in Garching bei München auf offener Straße niedergestochen, mit Benzin überschüttet und bei lebendigem Leib verbrannt. Drei Stunden zuvor waren sie geschieden worden. "Ich bereue nicht, dass ich sie getötet habe. Es war fast zu spät", sagte Kazim M. Mit Genugtuung habe er zugeschaut, wie ihr Gesicht verbrannt sei: "Ich war froh!" Die deutschen Gesetze seien schuld, "dass nur die Frauen Rechte haben. So werden sie hochnäsig und meinen, sie könnten alles tun", erklärte der Angeklagte. Er habe großen Respekt vor Frauen. "Ich habe auch weibliche Tiere mit mehr Respekt behandelt", betonte er.

Seine Frau habe im Jahr 2005 eine Vergewaltigung erfunden und ihn von der Polizei auf die Straße setzen lassen. Den gemeinsamen Sohn habe er nicht mehr sehen dürfen. "Weder mein Stamm noch der Stamm meiner Frau lässt so etwas zu", sagte er. "Sie wusste, dass sie schuldig ist und eines Tages so was bekommt." Er habe eine Familie gründen wollen, aber sie habe ihn verraten: "Das verbietet meine Kultur und meine Religion", sagte Kazim M.

Auf Nachfragen des Gerichts erwiderte er verständnislos: "Ich habe doch keine Deutsche umgebracht!" Im Irak hätte er für seine Tat nur sechs Monate im Gefängnis gesessen. Als das Gericht seinen Vorschlag, ihn in den Irak abzuschieben, scharf zurückwies, brüllte er die Richter an: "Gut, ich verlange für mich die Hinrichtung!"

Er habe die damals etwa 18-jährige Sazan auf Vorschlag seines Onkels im Jahr 2000 oder 2001 im Irak geheiratet, ohne dass er sie gekannt habe. Sie hätten eine halbe Stunde lang miteinander geredet, dann sei man sich einig geworden. "Es ist so bei uns", sagte er. Er habe etwa 20.000 Euro ausgegeben und zusätzlich Goldschmuck gekauft, aber kein "Brautgeld" bezahlt.

"Diese Frau war sehr schlecht zu mir"

Genau erinnerte sich Kazim M. an den 13. September 2005, weil seine Frau ihn an diesem Tag von der Polizei aus der Wohnung weisen ließ. Seine frühere Aussage, dass er kurz danach eine Geliebte gehabt habe, widerrief er vor Gericht. Schon drei Monate nach der Trennung habe er die Tat geplant. "Diese Frau war sehr schlecht zu mir", sagte er. Vergeblich habe er versucht, sie zurück in den Irak zu locken. "Ihr Vater hat mich immer wieder gewarnt. Er hat gesagt, ich soll sie töten." Sie habe ihm nach der Scheidung noch den Stinkefinger gezeigt. "Da habe ich gesagt, wenn ich ein Mann bin, dann mach ich das." Ein irakischer Freund habe ihm den Dolch, das Benzin und ein Elektroschockgerät besorgt. Dann habe er auf der Straße vor ihrer Wohnung in Garching auf sie gewartet.

Mit voller Wucht stach er der 24-jährigen Frau laut Anklage zwölf Mal in Kopf und Rücken. Kazim M. sagte: "Das Messer ist kaputtgegangen. Meine Hände waren voller Blut." Als sich die Frau auf die andere Straßenseite geschleppt habe, habe er den Benzinkanister aus dem Auto geholt und sie angezündet. "Ich wurde ein Jahr und zwei Monate lang verbrannt. Ich wollte, dass sie das auch erlebt", sagte er. "Jeder an meiner Stelle hätte das genauso gemacht."

Die Anklage wirft dem Mann grausamen und heimtückischen Mord aus Selbstgerechtigkeit und "übersteigertem Besitzdenken" vor. Das Gericht will das Urteil am kommenden Mittwoch verkünden.

Roland Losch, AP

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