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Radioaktives Diebesgut in Mexiko: "Wer das Material angefasst hat, wird sterben"

Unbekannte haben in Mexiko einen Laster mit Kobalt-60 gestohlen, nun ist das radioaktive Material wieder aufgetaucht. Offenbar wussten die Diebe nicht, was sie erbeutet hatten, laut Atombehörde dürften sie tödlich verstrahlt sein. Das gesamte Gebiet wurde abgesperrt, Siedlungen geräumt.

Mexiko-Stadt - Nach einer zweitägigen Großfahndung haben mexikanische Sicherheitskräfte am Mittwoch einen gestohlenen Lastwagen mit radioaktiver Ladung wiedergefunden. Das Fahrzeug transportierte eine gefährliche Ladung: einen Behälter mit der radioaktiven Substanz Kobalt-60.

Auch dieser Metallbehälter ist sichergestellt worden, in einem Haus in dem Ort Hueypoxtla - allerdings war er aufgebrochen. Das radioaktive Material wurde 500 Meter entfernt auf offenem Feld zurückgelassen. "Diese Leute hatten nicht die geringste Ahnung, was sie da rausgeholt haben. Anscheinend waren es keine Spezialisten", sagte der Physiker Mardonio Jiménez von der Behörde für nukleare Sicherheit (CNSNS).

CNSNS-Chef Juan Eibenschutz warnte vor der tödlichen Gefahr: Wer auch immer das Material angefasst habe, sei mit allergrößter Wahrscheinlichkeit "bereits tot oder wird sterben", sagte er im Fernsehen. Die Betroffenen würden die Effekte bereits spüren, dazu gehörten Erbrechen oder sogar innere Blutungen.

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Gestohlenes Kobalt-60 in Mexiko: "Extrem gefährlich"
Der örtliche Gesundheitsminister Pedro Luis Noble ergänzte in lokalen Medien, das radioaktive Material könne einen Menschen töten, der vier Minuten der Strahlung ausgesetzt sei. Bislang ist laut CNSNS unklar, wie viele Menschen mit der strahlenden Substanz in Kontakt kamen. Spezialisten messen nun die Strahlung am Fundort.

Polizei und Streitkräfte sperrten das Gebiet weiträumig ab. Mehrere Ortschaften wurden geräumt. Familien wurden angewiesen, ihre Kinder nicht in die Schule zu schicken.

Überwältigt und gefesselt

Der Transporter mit dem radioaktiven Material aus dem Medizinbereich war am Montag bei einem Raubüberfall im Bundesstaat Hidalgo gestohlen worden. Zwei bewaffnete Täter hatten den Fahrer an einer Tankstelle überwältigt und ihn gefesselt auf einer Brache zurückgelassen, wie die Zeitung "El Universal" berichtete. Offenbar hatten es die Räuber auf den mit einem Kran ausgestatteten Laster abgesehen. Die mexikanischen Behörden informierten die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) über den Vorfall. Die IAEA teilte mit, das Material sei "extrem gefährlich".

Das Kobalt-60 stammt aus einem Gerät zur Strahlentherapie. Das Radionuklid sollte von einem Krankenhaus in Tijuana im Norden des Landes zu einem Lager für Atommüll in die Nähe von Mexiko-Stadt gebracht und dort entsorgt werden. Die mexikanische Nuklearbehörde CNSNS warf der Transportfirma Sicherheitsverstöße vor. Der Vorfall werde untersucht.

Kobalt-60 kann neben medizinischen Zwecken auch zum Bau einer sogenannten schmutzigen Bombe eingesetzt werden. Diese Sprengsätze verstreuen bei ihrer Explosion radioaktives Material.

Schlamperei mit tödlichem Material

Experten warnen seit langem vor der Gefahr solchen Materials, das nur schlecht gesichert in Krankenhäusern, auf dem Gelände von Hochschulen und bei manchen Firmen gelagert wird. Im vergangenen Jahr wurden der IAEA 17 Zwischenfälle bekannt, bei denen strahlendes Material in unbefugte Hände gelangte oder zum Verkauf angeboten wurde. Daneben gab es 24 Fälle, in denen solches Material gestohlen wurde oder verlorenging.

Im Jahr 2000 waren bei einem Unfall mit Kobalt-60 in Thailand drei Menschen ums Leben gekommen. In Brasilien starben 1987 vier Menschen, als ein ähnliches medizinisches Gerät als Schrott verkauft und aufgebrochen wurde.

kgp/AFP/dpa

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insgesamt 62 Beiträge
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1. alle Jahre wieder...
keksguru 05.12.2013
in Brasilien waren damals zehntausende verstrahlt worden, die Aussage daß nur 4 Leute dabei gestorben sind ise falsch. auch in Mexico werden noch hunderte an den Strahlen sterben....
2.
bj68 05.12.2013
Naja, der Unfall in Brasilien 1987 vgl. Goiânia accident - Wikipedia, the free encyclopedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Goiânia_accident#Health_outcomes) zeigt allerdings auch, dass die sog. "schmutzige Bombe" auch ein sehr lokales Ereignis darstellt, denn im Gegensatz zu dem obigen Unfall, dürfte es ziemlich schnell erkannt werden, ob bei einer Explosion radioaktive Material verwendet wurde und dann kann man dementsprechende Maßnahmen ergreifen. Es kommt auch noch dazu, dass selbst wenn solches Material in terroristische Hände gerät, der Umgang damit und die Verwendung als Bombenzusatzstoff nicht so einfach ist, denn wenn die Quelle nicht geöffnet wird und die Substanz wie z.B. das 137-Cs-Chlorid nicht direkt in mit dem Sprengstoff verarbeitet wird, dürfte sich die Verteilung so ziemlich beschränken. Wird sie aber geöffnet, hat der Hersteller des Sprengsatzes das Problem mit hochradioaktivem Material umgehen zu müssen und bei dem Know How was so Leute haben (vgl. das Sauerland-Trio) habe ich so meine Zweifel....religiöser Wahn verträgt sich nicht mir naturwissenschaftlicher Bildung bzw. Leute mit den Fähigkeiten (Chemie, Physik usw.) sind durch ihren Werdegang so sozialisiert, dass sie auf den religiösen Gehirnfick egal welcher Art nicht reinfallen. Aus der Sicht ist eine "schmutzige Bombe" mit zumindest nennenswerten Impact sehr unwahrscheinlich. Allerdings muss man nicht unbedingt eine künstliche radioaktive Quelle stehlen, denn es gibt in Deutschland genügend natürliche Quellen....d.h. ein Typ wie Breivik könnte da durchaus Mist bauen, der zwar dann auch lokal beschränkt ist, aber für die Lokalität nicht so gut kommt.... Bj68
3. Ende gut...
chemboy 05.12.2013
Der Atommüll konnte vollständig geborgen werden, um die Täter kümmert sich 'Mutter Natur' - wie sagt man doch in einem solchen Fall?
4. Pech gehabt
wadenzwicker 05.12.2013
In Anlehnung an ein altbekanntes Sprichwort: "Iss nix was du nicht kennst, und klau nix was du nicht kennst. Das könnt' sonst ungesund sein."
5. Warnhinweis
Alimentator 05.12.2013
Man müsste einen weltweit verständliches Warnsymbol für Radioaktivität erfinden und verpflichtend auf allen gesundheitsgefährlichen radioaktiven Behältnissen anbringen. - Ach das gibt es schon? Dann sollte man das wohl mal den Mexikanern erklären.
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Fläche: 1.964.375 km²

Bevölkerung: 122,273 Mio.

Hauptstadt: Mexiko-Stadt

Staats- und Regierungschef: Enrique Peña Nieto

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Globale Atomwaffen-Arsenale
Land
Bestand
Russland 11.000*
USA 8.500**
Frankreich ca. 290
China 240
Großbritannien 225
Israel 80
Pakistan 90-110
Indien 80-100
Nordkorea weniger als 10
Gesamt ca. 20.500
*davon 2430 einsatzfähig und 3000 außer Dienst
** davon 2150 einsatzfähig und 3500 außer Dienst
Quelle: FAS; Stand: 7. Juni 2011
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Globaler Index: Die Sicherheit nuklearer Materialien

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Atomwaffen-Material: Die allgegenwärtige Gefahr

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