Prozess um gestreckte Krebsmedikamente Staatsanwalt fordert mehr als 13 Jahre Haft

Im Prozess um manipulierte Krebsmedikamente hat die Staatsanwaltschaft dreizehneinhalb Jahre Haft für den angeklagten Apotheker beantragt. Sie forderte außerdem ein lebenslanges Berufsverbot.

Angeklagter vor dem Landgericht in Essen (Archivbild)
DPA

Angeklagter vor dem Landgericht in Essen (Archivbild)


Vor dem Essener Landgericht neigt sich der Prozess gegen den 47-jährigen Apotheker Peter S. dem Ende zu. Ihm wird vorgeworfen, Zytostatika, also Krebsmedikamente, gestreckt und abgelaufene Präparate weiterverwendet zu haben. Die von ihm zubereiteten Infusionen sollen gar keinen oder zu wenig Wirkstoff enthalten haben.

Staatsanwalt Rudolf Jakubowski forderte dreizehneinhalb Jahre Haft für den Angeklagten. Außerdem solle das Essener Landgericht ein lebenslanges Berufsverbot verhängen. In seinem Plädoyer sprach er von einer "Bereicherung zu Lasten von Menschen, die um ihr Leben bangen". Er sei überzeugt, dass der 47-Jährige lebenswichtige Medikamente unterdosiert, bei den Krankenkassen aber voll abgerechnet habe. Laut Staatsanwaltschaft wollte S. sich damit eine verlässliche neue Einnahmequelle verschaffen.

Dadurch soll den gesetzlichen Krankenkassen ein Schaden von rund 56 Millionen Euro entstanden sein. Zusätzlich zur Haftstrafe forderte der Staatsanwalt ein lebenslanges Berufsverbot für den Angeklagten.

Für den Prozess relevant ist der Tatzeitraum Januar 2012 bis November 2016. Mögliche Straftaten in der Zeit davor sind verjährt. Insgesamt geht es um knapp 62.0000 Fälle, in denen Peter S. Rezepturen manipuliert oder Hygienevorschriften missachtet haben soll.

Betroffene oder deren Angehörige, die Medikamente aus der Alten Apotheke in Bottrop bezogen haben sollen, treten in dem Verfahren als Nebenkläger auf.

ala/dpa



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