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Getöteter Achtjähriger in Freiburg: Polizei warnt vor Aufruf zur Selbstjustiz

Spurensicherung am Fundort der Leiche: Toter Achtjähriger lag in Bach Zur Großansicht
DPA

Spurensicherung am Fundort der Leiche: Toter Achtjähriger lag in Bach

Unbekannte nutzen die Tötung eines Jungen in Freiburg für eine geschmacklose Aktion: Es kursieren ein gefälschtes Phantombild des Täters und Aufrufe zur Selbstjustiz. Die Polizei spricht von einer gefährlichen Falschmeldung.

Freiburg - Wer den Täter antrifft, ist angeblich dazu aufgerufen, "die Fäuste fliegen zu lassen": Im Fall des in Freiburg getöteten Jungen kursieren gefälschte Fahndungsaufrufe. Unter anderem gibt es ein vermeintliches Phantombild, verbunden mit dem Aufruf zur Selbstjustiz.

Der Mann auf dem Bild wird als Beteiligter "an den Morden an dem Achtjährigen und dem Zehnährigen" [sic] bezeichnet. Als Quelle wird die Polizei genannt - doch die Ermittler distanzieren sich scharf davon und verurteilen die Botschaften: "Es handelt sich hier um eine trügerische und gefährliche Falschmeldung!", heißt es in einer Mitteilung. Es sei kein Tötungsdelikt an einem Zehnjährigen bekannt. Das Phantombild stamme nicht von der Polizei.

"Leider gibt es Menschen, die Unglücksfälle und Straftaten zum Anlass nehmen, elektronische Medien zu missbrauchen und bewusst Falschmeldungen zu steuern, durch die die Bevölkerung verunsichert oder sogar zu Straftaten aufgerufen wird." Solche Meldungen seien ethisch verwerflich und würden strafrechtlich verfolgt. Derartige Aktionen erschwerten die Arbeit der Ermittler und gefährdeten Unbeteiligte.

Ein Spaziergänger hatte vor einer Woche die Leiche eines Achtjährigen in Freiburg gefunden. Der Junge ist nach Angaben der Polizei von einem Unbekannten umgebracht worden. Er war zuletzt am Abend zuvor lebend gesehen worden. Am vergangenen Freitag wurde das Opfer bestattet.

Eine konkrete Spur zum Täter hat die Polizei nach eigenen Angaben nicht. Auch das Motiv ist unklar. Konkrete Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch des Jungen gibt es laut Polizei bislang keine, definitiv ausschließen können die Beamten einen solchen Hintergrund aber nicht.

Ein Spaziergänger hatte die Leiche in einem Bach im Freiburger Stadtteil Betzenhausen gefunden. Zeugen hatten den Jungen zuletzt auf einem Spielplatz im Stadtteil Brühl gesehen. Aus der Bevölkerung sind in den vergangenen Tagen mehr als 200 Hinweise bei der Polizei eingegangen, zum Täter haben sie bislang nicht geführt.

ulz/dpa

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1. Verständlich,
reinerunfug 28.07.2014
Zitat von sysopDPAUnbekannte nutzen die Tötung eines Jungen in Freiburg für eine geschmacklose Aktion: Es kursieren ein gefälschtes Phantombild des Täters und Aufrufe zur Selbstjustiz. Die Polizei spricht von einer gefährlichen Falschmeldung. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/getoeteter-achtjaehriger-in-freiburg-warnung-vor-selbstjustiz-aufrufen-a-983152.html
wenn man sieht, wie die Justiz mit Mörfern (Gäfgen) umgeht. Da wird streng darauf geachtet, dass es ihm an nichts mangelt, während sein Opfer tot rumliegt oder elendlich krepiert. Die Würde des Mörders ist unantasstbar...Damit kommen viele nicht zurecht. Ich auch nicht.
2. Pöbel
oli h 28.07.2014
Es sollte sich eigentlich inzwischen rumgesprochen haben, dass die Exekutive beim Staat liegt. Und das sogar aus gutem Grund. Würde wieder dazu übergegangen werde, Straftäter öffentlich hinzurichten, wie im Mittelalter, dann wäre auch gleich wieder der johlende Mob da. Wie im Mittelalter eben.
3. Freiburg
erasmus89 28.07.2014
Ich habe das in der S-Bahn in Freiburg mitbekommen. Da plapperte eine offenbar leicht-strukturierte Frau davon, dass es nun einen zweiten Jungen gäbe, der verschwunden schien. Noch mehr schockierte mich die Aggressivität, mit der sie pauschal sagte, das könne nur ein Mann gewesen sein, da es Frauen ja niemals machen könnten. Fürchterlich, aber für das stock-konservative Freiburg kein Wunder..
4. [sic]?
AlHaqq 28.07.2014
Ist dieses inflationär benutztes '[sic]' hier nicht deplatziert? Soll es doch ausdrücken, dass es vom Autor kein Fehler ist. Aber die Meldung, die man für fehlerhaft halten könnte wird ja im nächsten Satz von der Polizei als solche benannt. Daher ist dieses [sic] überflüssig, weil man diese Meldung nicht dem Autor als Urheber ankreiden kann.. Qualitätsmedien und so
5. [sic]
michael1974 28.07.2014
Sie scheinen die Bedeutung dieses Wörtchens (lat. "so") nicht zu kennen. Man setzt es ein, wenn man wörtlich zitiert und im Zitat ein grammatischer Fehler ist, um deutlich zu machen, dass nicht man selbst den Fehler gemacht hat sondern es genauso "so" im Zitat vorkam.
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