Getötetes Mädchen Mord in Emden - Fahnder nehmen 18-Jährigen fest

Nach dem Mord an einer Elfjährigen haben die Ermittler in Emden erneut einen jungen Mann festgenommen. Der 18-Jährige gerät durch eine DNA-Analyse in Verdacht.

DPA

Hamburg - Im Fall der getöteten Elfjährigen in Emden hat die Polizei am Samstag einen 18-Jährigen vorläufig festgenommen.

Nachdem weitere Hinweise aus der Bevölkerung bei den Ermittlern eingegangen seien, habe sich der Verdacht gegen den jungen Mann konkretisiert, sagte eine Polizeisprecherin in Emden. Auch habe die Untersuchung der am Tatort gesicherten DNA durch das Landeskriminalamt den Tatverdacht gegen den 18-Jährigen untermauert.

Laut "Bild am Sonntag" sollen die Ermittlungen durch Phantombilder ins Rollen gekommen sein, die die Polizei nach Zeugenangaben angefertigt habe. Mehrere Passanten hätten demnach den auffällig in Schwarz gekleideten Mann zum Tatzeitpunkt gesehen und konnten sein Gesicht genau beschreiben.

Die Elfjährige war vor einer Woche in einem Parkhaus in Emden tot aufgefunden worden. Sie wurde der Polizei zufolge Opfer einer Sexualstraftat.

Die Ermittler hatten Aufnahmen aus Überwachungskameras des Parkhauses veröffentlicht. Die Videos zeigen einen jungen Mann mit dunkler Hose, dunkler Kapuzenjacke und dunklen Turnschuhen mit einer auffallend weißen, dicken Sohle. Bis Samstag gingen bei der Polizei mehr als 300 Hinweise ein.

Kritik an Polizei und Staatsanwaltschaft hält an

Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" ist der nun Festgenommene für die Polizei kein Unbekannter. Der junge Mann solle bereits im Herbst 2010 wegen Sachbeschädigungen in dem Parkhaus der ostfriesischen Stadt, in das Mädchen vor einer Woche tot aufgefunden wurde, zusammen mit anderen Jugendlichen auffällig geworden sein. Der Leitende Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck sagte der Zeitung: "Wir sprechen jetzt nicht mehr von Indizien, sondern wegen einer DNA-Übereinstimmung von schwer belastenden Beweisen."

Außerdem wird laut "BamS" überprüft, ob möglicherweise ein Zusammenhang mit einer versuchten Vergewaltigung vom Herbst 2011 unweit des Parkhauses bestehe, als eine Joggerin attackiert wurde und entkommen konnte.

Erst am Freitag war ein junger Mann aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Zunächst hatten Staatsanwaltschaft und Polizei keine Angaben gemacht, welche Ermittlungsergebnisse den Tatverdacht gegen ihn entkräftet hatten. Am Samstag sagte die Sprecherin der Polizei, das Ergebnis der DNA-Analyse habe die Unschuld des Mannes bestätigt. Staatsanwaltschaft und Polizei kündigten an, am Sonntag um 15 Uhr auf einer Pressekonferenz weitere Informationen bekanntzugeben.

Zuvor war zum Teil massive Kritik am Vorgehen von Polizei und Staatsanwaltschaft lautgeworden. Nachdem der junge Mann am Dienstagabend festgenommen worden war, hatten sich in der Nacht rund 50 Personen vor der Polizeiwache versammelt, manche sollen zur Lynchjustiz aufgerufen haben. Auf Facebook forderten manche, den Tatverdächtigen umzubringen. Er kam nach seiner Freilassung in polizeiliche Obhut.

Strafrechtler, Kriminologen und Politiker monierten schon am Freitag, die Ermittler seien zu offen mit Informationen umgegangen, auch die Festnahme habe diskreter ablaufen können. Am Samstag sagte der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl dem "Kölner Stadt-Anzeiger", Polizei und Staatsanwaltschaft hätten "ein Interesse an einem raschen Fahndungserfolg". Deshalb seien sie "manchmal etwas voreilig und riskieren zu häufig einen zu schnellen Gang an die Öffentlichkeit". Der Berliner Strafrechtsprofessor Martin Heger sagte der "Welt", die Staatsanwaltschaft sei mit den Sachverhalten zu offensiv an die Öffentlichkeit gegangen.

Staatsanwalt Südbeck hatte am Freitag die Arbeit der Polizei verteidigt. Die Beamten hätten keine andere Wahl gehabt, als den Verdächtigen festzunehmen. Auch der Haftbefehl habe beantragt werden müssen, weil zu diesem Zeitpunkt dringender Tatverdacht bestanden habe.

bim/dpa

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