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Gewalt gegen Polizisten: Prügelnde Ehemänner so gefährlich wie Hooligans

Zur Begrüßung ein Schlag mit einer Flasche oder einem Knüppel: Wenn Polizisten ausrücken, um gegen häusliche Gewalt vorzugehen, werden sie immer öfter selbst verletzt. Nach SPIEGEL-Informationen gehören gewalttätige Ehemänner mittlerweile zu den gefährlichsten Gegnern der Polizei.

Polizisten im Einsatz: Gefahr von vielen Seiten Fotos
DDP

Hamburg - Die gefährlichsten Gegner für deutsche Polizisten sind neben Hooligans und Krawalldemonstranten offenbar gewalttätige Ehemänner. Das ist ein Ergebnis einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN) zum Thema "Gewalt gegen Polizeibeamte", bei der etwa 20.000 Bedienstete unter anderem Auskunft über Verletzungen im Dienst gaben.

Bei Hausbesuchen aufgrund familiärer Streitigkeiten erlitten genauso viele Beamte schwere Verletzungen wie bei Demonstrationen und Einsätzen im Stadion zusammen. Sie wurden oft schon an der Wohnungstür mit Flaschen oder Knüppeln empfangen, berichtet KFN-Direktor Christian Pfeiffer.

Insgesamt stieg die Zahl der Fälle, in denen Polizisten bei Einsätzen wegen häuslicher Gewalt mindestens sieben Tage lang dienstunfähig waren, zwischen 2005 und 2009 um fast 80 Prozent an. Ein Grund für den hohen Anstieg ist das 2002 erlassene Gewaltschutzgesetz, das es Angehörigen erleichtert, gewalttätige Familienmitglieder von der Polizei aus der Wohnung entfernen zu lassen.

Jeder zweite Streifenbeamte muss körperliche Attacken hinnehmen

Generell nahm die Zahl der schwerer verletzten Polizisten der Studie zufolge von 2005 bis 2009 um mindestens 60 Prozent zu. Die Verletzungen zogen eine Dienstunfähigkeit von mindestens sieben Tagen nach sich. Allerdings ging die Zahl der besonders schweren Straftaten mit einer Dienstunfähigkeit von mehr als zwei Monaten seit 2007 zurück, wie der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) im Vorfeld der Innenministerkonferenz in Berlin am Mittwoch erklärte.

Laut Schünemann wird fast jeder Streifenbeamte öfter im Dienst beleidigt, jeder zweite muss körperliche Attacken hinnehmen, fast 27 Prozent werden mit Fäusten geschlagen, zwischen acht und neun Prozent werden mit Waffen angegriffen. "All das zeigt, dass wir handeln müssen", bilanzierte er. Zu verzeichnen sei eine "zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Amtsträgern".

Künftig sollen Angriffe gegen Polizisten und Rettungskräfte härter bestraft werden. Darauf einigten sich die Innenminister von Bund und Ländern bei ihrer Konferenz in Hamburg.

hpi

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1. Eine echte Überraschung
beobachter1960 29.05.2010
Man staunt was man alles durch lange und teure Untersuchungen herausfinden kann. Oft Dinge die sich der normale Verstand nicht ausmalen würde. Das angetrunkene, aggresive Männer eine große Gefahr sind hätte ich nicht gedacht. Was also soll dieser Artikel?
2.
wossie 29.05.2010
Na dann bin ich mal gespannt, wann hier wieder die ersten Gestalten auftauchen, die behaupten, dass prügelnde Ehemänner damit gegen koruppte Banker, durch Lobbyisten zersetzte Politik o.ä. prostestieren wollen... ;)
3. "Respekt"
slider, 29.05.2010
SPON : Zu verzeichnen sei eine "zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Amtsträgern". Ja, warum denn nicht? Es gibt keine Vorschrift, dass ich einem "Amtsträger" Respekt bezeuge. Ich darf ihn nur nicht beleidigen - wie jeden anderen Menschen auch nicht. Amtsträger sind nichts besonderes. Respekt ist kein Amts- oder Gottesgeschenk, Respekt verdient man sich. Bis heute hat sich kein Amtsträger "Respekt" bei mir verdient. Nacking sehen die mindestens genauso schlimm aus wie ich.
4. ---
Earendil77 29.05.2010
Zitat von beobachter1960Man staunt was man alles durch lange und teure Untersuchungen herausfinden kann. Oft Dinge die sich der normale Verstand nicht ausmalen würde. Das angetrunkene, aggresive Männer eine große Gefahr sind hätte ich nicht gedacht. Was also soll dieser Artikel?
Das kann ich Ihnen sagen: Er soll die Erhöhung der Strafandrohung für "Widerstand gegen die Staatsgewalt" journalistisch "begleiten". Das naheliegendste, nämlich Angriffe gegen Polizisten wie solche gegen andere Menschen auch als Körperverletzung anzuklagen, ist ja irgendwie nicht drin, die brauchen nach Meinung von Bosbach, Freiberg & Co. ein Sonderstrafrecht.
5. Recht und Gesetz sind korrupt
Björn Borg 29.05.2010
Zitat von sliderSPON : Zu verzeichnen sei eine "zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Amtsträgern". Ja, warum denn nicht? Es gibt keine Vorschrift, dass ich einem "Amtsträger" Respekt bezeuge. Ich darf ihn nur nicht beleidigen - wie jeden anderen Menschen auch nicht. Amtsträger sind nichts besonderes. Respekt ist kein Amts- oder Gottesgeschenk, Respekt verdient man sich. Bis heute hat sich kein Amtsträger "Respekt" bei mir verdient. Nacking sehen die mindestens genauso schlimm aus wie ich.
Vielleicht haben "Amtsträger" (jeglicher Art) durch ihr zunehmend nicht auf das Gemeinwohl bedachtes Verhalten ja selbst Schuld daran, dass das gemeine Volk jeglichen Respekt vor ihnen verliert? Höflicher kann ich es nun wirklich nicht mehr ausdrücken...
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