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Gewalt in Indien: Tausende protestieren gegen Vergewaltigung von Nonne

In der Nähe von Kalkutta ist eine 75-jährige Nonne von mehreren Männern vergewaltigt worden. Die Empörung in Indien ist riesig. Tausende Christen fanden sich landesweit zu Protestmärschen zusammen.

Gewalt gegen Frauen: Schweigemarsch für vergewaltigte Nonne in Kalkutta Fotos
DPA

Kalkutta - Nach der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer katholischen Nonne in Indien haben sich Tausende Menschen im Land zu Schweigemärschen zusammengefunden.

Allein in Ranaghat im Bundesstaat Westbengalen, wo die Vergewaltigung stattgefunden haben soll, führten Priester etwa 4000 Menschen durch die Stadt. Danach seien Kerzen für das Opfer angezündet worden, erklärten Kirchenvertreter. Die alte Frau liegt weiter im Krankenhaus. Ihr gehe es physisch besser, doch sei sie schwer traumatisiert, sagte ein behandelnder Arzt.

Mit einer friedlichen Mahnwache in einem Park von Kalkutta protestierten Hunderte Priester, Schülerinnen, Nonnen und Frauen aus allen Schichten der Gesellschaft gegen das Verbrechen. Unter ihnen waren auch zahlreiche Frauen aus einem Orden, der einst von Mutter Teresa gegründet wurde.

Sie führten Protestbanner mit Sprüchen wie "Diese Welt gehört den Frauen" und "Wir wollen ein Indien ohne Vergewaltigungen" mit sich. Eine Teilnehmerin, die Bankmanagerin Partha Tripathi, sprach von einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit: "Es scheint so, dass sich selbst Tiere besser verhalten." Viele Demonstranten stellten rund um eine Statue von Mutter Teresa Kerzen auf.

Der Erzbischof von Kalkutta, Thomas D'Souza, verurteilte die mutmaßliche Vergewaltigung als "barbarische Tat". Er hoffe, dass die Täter bald ihre gerechte Strafe erhielten.

Sechs Männer waren laut Polizeiangaben in der Nacht zum Samstag in eine Klosterschule in Ranaghar eingebrochen, hatten einen Wachmann überwältigt, die Nonne vergewaltigt und dann die Schule geplündert. Sie zerstörten demnach auch heilige Schriften sowie eine Jesus-Statue. Vier der Männer konnten mit Hilfe von Überwachungskameras identifiziert werden. Die Polizei habe unterdessen acht bis zehn Männer festgesetzt, um sie zu der Tat zu befragen, berichtete die indische Agentur IANS. Es soll bisher aber keine Festnahmen gegeben haben.

Der Angriff auf die Nonne reiht sich ein in eine lange Liste brutaler sexueller Übergriffe auf Frauen in Indien. Er schürt auch die Angst der christlichen Minderheit vor wachsender Gewalt radikaler Hinduisten gegen Anhänger anderer Religionen.

Nach mehreren Anschlägen auf ihre Kirchen sowie einer Serie sogenannter Massenübertritte von Christen und Muslimen zum Hinduismus hatten christliche Vertreter dem nationalistisch-hinduistischen Premierminister Narendra Modi vorgeworfen, allzu lange zu den Taten hinduistischer Fundamentalisten geschwiegen zu haben.

Im Februar hatte Modi daraufhin angekündigt, gegen die Urheber religiös motivierter Gewalt entschieden vorzugehen.

ala/AFP/dpa

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