Gewaltverbrechen "Kofferraumvergewaltiger" stellt sich der Polizei

Ein Mann, der Ende Dezember zwei Frauen vergewaltigt hat, hat sich der Polizei gestellt. Der mutmaßliche Täter hatte die Teenager jeweils in den Kofferraum seines Wagens gesperrt und verschleppt. Eine dritte versuchte Vergewaltigung war offenbar gescheitert.


Regensburg/Berlin - Der 25-jährige mutmaßliche Täter meldete sich am Mittwochabend am Berliner Hauptbahnhof bei der Bundespolizei und kam damit seiner unmittelbar bevorstehenden Ergreifung zuvor, wie die Polizei Regensburg mitteilte. Dem Mann werden versuchter Mord, zwei Vergewaltigungen und weitere schwerwiegende Straftaten vorgeworfen, wie es in der gemeinsamen Presseerklärung der ermittelnden Behörden in Deutschland und Österreich heißt. Der mutmaßliche Täter ist ledig und wohnte zuletzt in Oberösterreich, wie der Leiter der Einsatzzentrale der Regensburger Polizei mitteilte.

Das erste Opfer, eine 18-Jährige, die auf dem Heimweg von einer Disco war, zwang er laut Polizei am 20. Dezember, gegen 1 Uhr nachts, in der Nähe des Chemnitzer Hauptbahnhofs in den Kofferraum seines Autos. Nachdem er die junge Frau an einem noch nicht bekannten Ort vergewaltigt hatte, brachte er sie nördlich von Chemnitz zu einer alten Brücke und stieß die junge Frau in den Fluss Mulde.

Hunderte von Kilometern mit dem Auto gefahren

Vier Tage später, am 24. Dezember, gegen wieder gegen 1 Uhr, versuchte er laut Polizei erneut in Chemnitz, eine junge Frau in den Kofferraum seines Autos zu zwingen, was jedoch misslang.

Nur vier Stunden darauf, gegen 5 Uhr, inzwischen im rund 300 Kilometer entfernten Regensburg, bedrohte der Mann eine 16-jährige Jugendliche, die frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit war, mit einem Messer und zwang sie in den Kofferraum seines Autos. Er vergewaltigte sie an einem unbekannten Ort und ließ sie nach den Ermittlungen gegen 9.30 Uhr am Bahnhof im rund 225 Kilometer entfernten oberösterreichischen Linz wieder frei. Obwohl der Mann ihr mit dem Tod gedroht hatte, falls sie zur Polizei ginge, meldete sie das Verbrechen sofort. Bereits aus dem Kofferraum des Autos hatte sie per Mobiltelefon deutsche Beamte alarmiert, die den Wagen aber nicht hatten orten können. Die Polizei in Österreich hatte dem Opfer seine Geschichte zunächst nicht abgenommen.

Ein Polizeisprecher teilte nun mit, der 25-Jährige sei "der direkten Festnahme nur um kurze Zeit" zuvorgekommen. Der Mann stellte sich gegen 20 Uhr bei der Wache am Berliner Hauptbahnhof mit den Worten, er sei der gesuchte "Kofferraumvergewaltiger". In der vorausgegangenen Fahndung waren unter anderem Hubschrauber und Suchhunde eingesetzt worden.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz aller beteiligten Behörden aus Bayern, Sachsen und Österreich sollen am morgigen Freitag in Regensburg weitere Einzelheiten mitgeteilt werden.

cis/AP/AFP



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