Gladbeck-Geiselnehmer Gericht beschließt Freilassung von Dieter Degowski

Dieter Degowski wird nach fast 30 Jahren Haft entlassen. Der Geiselnehmer von Gladbeck soll in den nächsten Monaten freikommen.

Dieter Degowski (Archiv)
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Dieter Degowski (Archiv)


Einer der beiden Geiselnehmer von Gladbeck, Dieter Degowski, kommt bald frei. Er werde in den nächsten Monaten aus dem Gefängnis in Werl entlassen, teilte das Landgericht Arnsberg mit. Die Strafe für den seit fast 30 Jahren in Haft sitzenden Mann soll zur Bewährung ausgesetzt werden.

Die Freilassung wurde laut Landgericht umfassend geprüft. Die Kammer habe Gutachten und Stellungnahmen eingeholt und sich den positiven Prognosen angeschlossen. Die Entscheidung, über die zuvor der "Soester Anzeiger" berichtet hatte, ist noch nicht rechtskräftig.

Degowski war einer der Täter beim Gladbecker Geiseldrama 1988. Drei Tage lang waren der 61-Jährige und sein Komplize Hans-Jürgen Rösner nach einem missglückten Bankraub mit Geiseln auf der Flucht vor der Polizei.

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Auf ihrer tagelangen Fahrt durch drei Bundesländer sowie die Niederlande erschossen die beiden zwei Geiseln, ein Polizist verunglückte tödlich. Mehrere Menschen wurden verletzt. 1991 wurden beide vom Landgericht Essen zu lebenslanger Haft verurteilt.

Degowski und Rösner waren auf ihrer Flucht zufällig mit Reportern in Kontakt gekommen - und ließen sich von ihnen begleiten. Die Präsenz von Medienvertretern erschwerte Strafverfolgern den Zugriff.

In der Kölner Innenstadt gaben Degowski und Rösner Interviews, die Waffe am Hals einer Geisel. Der spätere "Bild"-Chefredakteur Udo Röbel stieg zu den Entführern ins Auto. Über die Beteiligung der Medien an der Tragödie wurde später gestritten - und mündete in veränderten Verhaltensregeln für Journalisten in solchen Krisensituationen.

Bei einer Entlassung wird Degowski einen neuen Namen erhalten, um ihm die Wiedereingliederung zu erleichtern. Das Landgericht hatte das Gefängnis bereits 2013 aufgefordert, ihn schrittweise auf die Entlassung vorzubereiten. Die Strafanstalt in Werl bescheinigte ihm 2016 Fortschritte bei der Vorbereitung auf eine Entlassung.

Degowski hatte bei der Geiselnahme an der Raststätte Grundbergsee den 15-jährigen Emanuele De Giorgi erschossen, weil die Polizei die Freundin Rösners festgenommen und nicht rasch genug wieder freigelassen hatte. Der frühere Sonderschüler Degowski hatte gesagt, er habe den jungen Italiener aus Ausländerhass ausgewählt. Das Opfer hatte sich noch schützend vor seine kleine Schwester gestellt.

Rösner erschoss später die 18-jährige Geisel Silke Bischoff - möglicherweise genau in dem Moment, als er selbst von einer Polizeikugel getroffen wurde. Bei dem Zugriff einer Spezialeinheit auf der Autobahn 3 bei Bad Honnef war der Wagen bei Tempo 100 auf der Autobahn gerammt worden, es kam zu einer heftigen Schießerei.

Rösner sitzt in Aachen im Gefängnis. Bei ihm war im Sommer die sogenannte Mindestverbüßungsdauer abgelaufen. Das Landgericht Aachen prüft nun, ob auch seine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

apr/dpa



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