Gladbeck-Geiselnehmer Dieter Degowski aus Gefängnis entlassen

Dieter Degowski saß rund 30 Jahre wegen der Geiselnahme von Gladbeck in Haft. Jetzt ist der 61-Jährige entlassen worden, wie die JVA Werl bestätigte.

Dieter Degowski (Archiv)
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Dieter Degowski (Archiv)


Einer der beiden Gladbecker Geiselnehmer, Dieter Degowski, ist frei. Er wurde am Donnerstag aus der Haft entlassen, wie die JVA Werl und das Landgericht Arnsberg auf Anfrage bestätigten. Bereits im Oktober hatte das Gericht die Freilassung angekündigt und mitgeteilt, dass der Rest von Degowskis Strafe zur Bewährung ausgesetzt werde.

Die JVA bestätigte, Degowski werde einen neuen Namen annehmen. Zu Details der Bewährungsauflagen machte ein Gerichtssprecher keine Angaben. Sie seien aber so ausgelegt, "dass eine engmaschige Kontrolle und Betreuung möglich ist".

Degowski war einer der Täter beim Gladbecker Geiseldrama 1988. Drei Tage lang waren der 61-Jährige und sein Komplize Hans-Jürgen Rösner nach einem missglückten Bankraub mit Geiseln auf der Flucht vor der Polizei.

Auf ihrer tagelangen Fahrt durch drei Bundesländer sowie die Niederlande erschossen die beiden zwei Geiseln, ein Polizist verunglückte tödlich. Mehrere Menschen wurden verletzt. 1991 wurden beide vom Landgericht Essen zu lebenslanger Haft verurteilt.

Bei Degowski wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Rösner, bei dem zusätzlich Sicherungsverwahrung angeordnet wurde, sitzt weiterhin im Gefängnis in Aachen. Auch er strebt eine vorzeitige Entlassung an. Voraussetzung ist eine Therapie.

Degowski und Rösner waren auf ihrer Flucht zufällig mit Reportern in Kontakt gekommen - und ließen sich von ihnen begleiten. Die Präsenz von Medienvertretern erschwerte Strafverfolgern den Zugriff.

In der Kölner Innenstadt gaben Degowski und Rösner Interviews, die Waffe am Hals einer Geisel. Der spätere "Bild"-Chefredakteur Udo Röbel stieg zu den Entführern ins Auto. Über die Beteiligung der Medien an der Tragödie wurde später gestritten - und mündete in veränderten Verhaltensregeln für Journalisten in solchen Krisensituationen.

Degowski hatte bei der Geiselnahme an der Raststätte Grundbergsee den 15-jährigen Emanuele De Giorgi erschossen, weil die Polizei die Freundin Rösners festgenommen und nicht rasch genug wieder freigelassen hatte. Der frühere Sonderschüler Degowski hatte gesagt, er habe den jungen Italiener aus Ausländerhass ausgewählt. Das Opfer hatte sich noch schützend vor seine kleine Schwester gestellt.

Rösner erschoss später die 18-jährige Geisel Silke Bischoff - möglicherweise genau in dem Moment, als er selbst von einer Polizeikugel getroffen wurde. Bei dem Zugriff einer Spezialeinheit auf der Autobahn 3 bei Bad Honnef war der Wagen bei Tempo 100 auf der Autobahn gerammt worden, es kam zu einer heftigen Schießerei.



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