Gladbecker Geiselgangster: Degowski könnte in drei Jahren freikommen

Geiselnehmer Degowski (1988): Vorbereitung auf ein Leben in Freiheit Zur Großansicht
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Geiselnehmer Degowski (1988): Vorbereitung auf ein Leben in Freiheit

Der Gladbecker Geiselnehmer Dieter Degowski bleibt in Haft, könnte jedoch in drei Jahren entlassen werden. Dies geht aus einem Beschluss des Landgerichts Arnsberg hervor. Bis dahin soll der 57-Jährige auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden.

Werl - Dieter Degowski kann mit einer Haftentlassung in drei Jahren rechnen. Bis dahin soll der Gladbecker Geiselgangster mit Haftlockerungen auf die Freiheit vorbereitet werden. Das hat die zuständige Strafvollstreckungskammer des Arnsberger Landgerichtes in einem nun bekanntgemachten Beschluss angemahnt. Die am Donnerstag förmlich gefasste Entscheidung ist das Ergebnis einer Haftprüfung, die bereits am 14. August erfolgt war.

"Die Kammer hat keinen genauen Entlassungszeitpunkt vorgegeben", betonte Landgerichtssprecherin Dorina Henkel. Die Vollzugsbehörden müssten die Entwicklung abwarten. "Nur wenn die Vorbereitung optimal läuft, kann Dieter Degowski tatsächlich mit einer Entlassung auf Bewährung rechnen."

"Die schrittweise Vorbereitung kann durch zunächst begleitete, später unbegleitete Ausgänge und anschließend die Verlegung in den offenen Vollzug mit der Möglichkeit von Hafturlaub erfolgen", heißt es in einer Mitteilung der Arnsberger Richter. Für den Fall einer unvorbereiteten Entlassung sieht die Kammer eine erhöhte Gefahr, "dass der Verurteilte ins soziale Randmilieu abrutschen könnte, in dem die Gefahr weiterer schwerer Straftaten besteht". Derzeit gehe von Degowski weiterhin eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit aus.

1991 zu lebenslanger Haft verurteilt

Gutachter Norbert Leygraf hatte sich ebenfalls gegen eine sofortige Freilassung ausgesprochen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE hatte Degowskis Anwältin Lisa Grüter vor dem Haftprüfungstermin die Hoffnung geäußert, das Gericht werde "ein deutliches Zeichen" in Bezug auf die Vorbereitung zur Haftentlassung setzen.

Der inzwischen 57-jährige Degowski hatte vor 25 Jahren mit seinem Komplizen Hans-Jürgen Rösner eine Bank im nordrhein-westfälischen Gladbeck überfallen. Bei der anschließenden Flucht durch mehrere Bundesländer tötete das Duo zwei Menschen, außerdem verunglückte ein Polizist bei dem Einsatz tödlich. Das Landgericht in Essen verurteilte die beiden Männer 1991 zu lebenslanger Haft. 2001 wurde zudem festgelegt, dass Degwoski frühestens 2013 zur Bewährung entlassen werden sollte.

Michael Skirl, der Leiter der Justizvollzugsanstalt Werl, in der Degowski sitzt, will zunächst abwarten, bis der Beschluss des Landgerichts rechtskräftig ist. "Dann werden wir unverzüglich die Umsetzung der Aufträge des Gerichts einleiten", sagte er.

wit/dpa

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insgesamt 32 Beiträge
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1. optional
goofy100 23.08.2013
Ah ja, deutsche Gerechtigkeit werde ich nie verstehen. Ein Menschenleben ist nicht viel Wert, neuerdings ja nur noch 4 Jahre. Dagegen hat Degowski dann richtig lange gesessen. Aber bald kann er ja wieder draussen herumlaufen und Hartz IV geniessen. Ein Schlag ins Gesicht fuer die Angehoerigen der ermordeten Geiseln.
2. Haftlockerung / Freilassung
-seltsam- 23.08.2013
Es interessiert mich nicht, was Psychologen über diesen Menschen sagen, ob er ohne Kriminalität leben kann. Ich glaube, Strafe ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft und manchmal ist es m.M.n. sinnvoll, eine Resozialisierung in die zweite Reihe zu rücken, wie in diesem Fall. Ich habe das Drama damals erlebt, als die Kolonne durch Wuppertal zog. Die Szenerie war schauerlich und unwirklich. Viele spürten schon ein böses Ende, weil die Polizei so unentschlossen war. Es ist bis heute ein Trauma vieler Menschen. Der Mann hat durch den gemeinschaftlichen Mord an zwei jungen Menschen mit seinen damals 32 Jahren sein Leben in Freiheit verwirkt und sollte eingesperrt bleiben. Die beiden toten Geiseln können auch nicht von ihrem Schiksal begnadigt werden.
3.
trude2004 23.08.2013
Dieser Feige Mann wird immer ein Mörder bleiben. Er hat wehrlose Menschen einfach und skrupellos umgebracht. Hinter seiner Pistole hat er sich versteckt, und es ist schwer vorzustellen, dass sich sein Innerstes geändert hat. In die geschlossene Anstalt gehört dieser Mann und schämen soll er sich.
4. Es waren drei
ekel-alfred 23.08.2013
Zitat von -seltsam-- Der Mann hat durch den gemeinschaftlichen Mord an zwei jungen Menschen mit seinen damals 32 Jahren sein Leben in Freiheit verwirkt und sollte eingesperrt bleiben. Die beiden toten Geiseln können auch nicht von ihrem Schiksal begnadigt werden.
Es waren drei Todesopfer zu beklagen. Sie haben den holländischen Polizisten vergessen.
5. Warum nicht ...?, aber
nickleby 23.08.2013
Wer glaubt, dass degowski nach seiner Freilassung frei ist, täuscht sich enorm. Dann beginnt seine wirkliche Haft. Keiner will mit dem brutalen Geiselmörder irgendetwas zu tun haben. Er wird überall auf verschlossene Türen stoßen. Die Menschen werden ihn meiden und aus ihren Reihen ausschließen Einen Arbeitsplatz wird er nicht bekommen. Man weiß ja nie..... Für ihn wäre es menschlicher in der Anstalt zu bleiben.
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