Gladbecker Geiselnehmer Gericht lehnt kurzfristige Haftentlassung von Degowski ab

Der Gladbeck-Geiselnehmer Dieter Degowski wird nicht kurzfristig entlassen. Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg gab an, mit den Entlassungsvorbereitungen beginnen zu wollen. Doch ein Richter hält das für unwahrscheinlich.

Geiselnehmer Degowski (1988 mit Geisel Silke Bischoff): Gericht lehnt kurzfristige Entlassung ab
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Geiselnehmer Degowski (1988 mit Geisel Silke Bischoff): Gericht lehnt kurzfristige Entlassung ab


Werl - Der Gladbecker Geiselnehmer Dieter Degowski bleibt vorläufig in Haft. Das entschied die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg nach einem 45-minütigen Anhörungstermin am Mittwoch.

Das Gericht lehnte damit einen Antrag des 57-Jährigen ab, nach 25 Jahren Haft aus dem Gefängnis im westfälischen Werl entlassen zu werden. Zunächst müssten "umfangreiche Entlassungsvorbereitungen durchgeführt werden", hieß es in der Begründung des Landgerichts. Das sei ein mehrjähriger Prozess. Die Kammer hatte auch ein psychiatrisches Gutachten eingeholt. Der Psychiater hatte sich gegen eine Freilassung ausgesprochen.

Zuvor hatte Degowskis Anwältin Lisa Grüter von einer Ablehnung berichtet. Die zuständige Kammer des Landgerichts Arnsberg habe in der Anhörung jedoch immerhin deutlich gemacht, "dass jetzt endlich die Entlassungsvorbereitung losgehen muss. Das dauert üblicherweise zwischen zwei und drei Jahren."

Ein Sprecher des NRW-Justizministeriums sagte, man respektiere den Beschluss. "Das Landgericht hat damit die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, nach der auch ein Schwerstkrimineller ein Recht auf eine zweite Chance hat, umgesetzt." Man wolle zunächst die Begründung des Beschlusses abwarten und dann zügig mit der Umsetzung beginnen.

Der ehemalige Richter Rudolf Esders ist jedoch nicht der Meinung, dass Degowski in absehbarer Zeit entlassen wird. "Er wird erst dann als ungefährlich eingestuft werden, wenn er pflegebedürftig oder dement ist", sagte der 74-Jährige der Zeitung "Die Welt". Esders hatte 1991 den Prozess gegen Degowskis Komplizen geführt. Seiner Einschätzung nach muss sich das Gericht vor einer Entlassung sicher sein, dass der Straftäter keine Gefahr mehr darstelle. Die Tatsache, dass er seine Mindeststrafe abgesessen habe, reiche nicht aus.

Der Haftprüfungstermin fand kurz vor dem 25. Jahrestag des Gladbecker Geiseldramas statt. Nach einem Banküberfall in Gladbeck war Degowski zusammen mit seinem Komplizen Hans-Jürgen Rösner vom 16. bis 18. August 1988 mit Geiseln durch Deutschland und die Niederlande gefahren. Auf der Flucht erschossen sie zwei Geiseln, ein Polizist verunglückte tödlich. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Degowski hat seine Mindesthaftzeit mittlerweile abgesessen. Nach dem Haftprüfungstermin sei er "froh, dass er nun eine Chance auf Freiheit hat", sagte seine Verteidigerin.

gam/dpa



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heinz4444 14.08.2013
1. Es gibt
Menschen,die habe es nicht verdient jemals wieder in Freiheit zu sein. Degowski gehört 100 % dazu.
johnbatz 14.08.2013
2. Zwei Geiseln und ein Polizist
Zwei Geiseln und ein Polizist wären auch froh, wenn sie hätten Leben dürfen.
centurio1958 14.08.2013
3. denkt irgendjemand
an die Opfer und deren Angehörigen ? Was diese Menschen empfinden wenn so jemand wieder auf freiem Fuss ist ?
tazzz 14.08.2013
4. Gerechtigkeit
Man fragt sich wieder, auf welchem Auge Justitia ihren Sehschaden hat. Das LG Bielefeld überlegt, einen zweifachen Sexualmörder zu "resozialisieren" (vgl. http://www1.wdr.de/themen/panorama/kindermoerder100.html ), jetzt macht man sich beim LG Arnsberg viele Gedanken, wie der üble Ganove und Mörder Degowski zu einem beschaulichen Lebensabend kommen kann. Hilfe! Was ist da los? Im Fall Mollath war die bayerische Justiz beratungsresistent und weltfremd. Hier ist es ähnlich - nur unter anderen Vorzeichen: was Gutachter und Staatsanwaltschaft sagen, wird ignoriert und abgetan. Und an die Familien der Opfer - denkt keiner. Wie üblich.
kosaptes 14.08.2013
5. Freude
Die Anwältin macht ihren Job, dagegen ist nichts einzuwenden. Trotzdem gibt es keinen ersichtlichen Grund warum ein mehrfacher Mörder wie Degowski nicht die maximale Zeit im Gefängnis verbringen sollte.
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