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Organspendeskandal: Ermittlungen wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung

Die Behörden weiten im Organspendeskandal ihre Untersuchungen aus. Nun ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Göttingen - wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Durch die Fälschung von Krankenakten könnten andere Patienten lebenswichtige Spenderorgane nicht bekommen haben.

Hannover/Göttingen - Im Göttinger Organspendeskandal wird nun auch wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Es bestehe der Anfangsverdacht, dass durch Manipulationen in der Klinik in Niedersachsen Menschen andernorts gestorben seien, erläuterte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, die sich inzwischen auch in den Fall eingeschaltet hat.

Zwei Ärzte sollen medizinische Daten manipuliert haben, um ihre Patienten auf der Warteliste für Spenderorgane nach oben zu schieben. Dadurch könnten andere Kranke, die kein Organ erhalten haben, gestorben sein. Die Mediziner könnten nach Worten des Staatsanwaltes fahrlässig oder bedingt vorsätzlich gehandelt haben. "Die Ermittlungen stehen aber noch ganz am Anfang", sagte Laue.

Die Anklagebehörde in Braunschweig ermittelt schon länger wegen Bestechlichkeit gegen die Mediziner. Insgesamt werden 23 Fälle aus den Jahren 2010 und 2011 untersucht.

ulz/dpa

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1. Wieso...
leseratte59 27.07.2012
Zitat von sysopDie Behörden weiten im Organspendeskandal ihre Untersuchungen aus. Nun ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Göttingen - wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Durch die Fälschung von Krankenakten könnten andere Patienten lebenswichtige Spenderorgane nicht bekommen haben. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,846690,00.html
...nur fahrlässige Tötung? Der Tatbestand lautet hier: „§ 222 Fahrlässige Tötung Wer durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ IMHO haben die Beteiligten eben nicht fahrlässig gehandelt. Fahrlässigkeit setzt eine Sorgfaltspflichtverletzung voraus. Wenn aber die notwendige Sorgfalt bewusst außerachtgelassen wird, käme auch Totschlag durch Unterlassen in Betracht. Die Täter haben zumindest den Tod anderer Organanwärter billigend in Kauf genommen.
2. und wer...
kanzline 27.07.2012
...spricht von den geretteten Leben? *nachdenk* Wenn ich Arzt wäre und tagtäglich mit den gleichen Patienten zusammen wäre, würde ich auch eine "Beziehung" aufbauen & ihnen eher helfen wollen, als anderen, die ich nicht kenne...wer denkt an sowas? Ist es sicher, dass die Ärzte Geld genommen haben oder nur mitfühlend waren? Es ist zum Kotzen, wie einseitig und damit richtungsweisend die Berichterstattung in Deutschland ist....
3. Wenn sich der weitere Verdacht
Aquilina 27.07.2012
bestätigt (wie gestern abend in verschiedenen Nachrichten gemeldet), dass sogar Patienten kranker gemacht wurden, als sie es waren, um an ihre Organe zu kommen, dürfte der Tatbestand Mord gegeben sein, da es mit vollem Wissen und Wollen und aus niedrigen Beweggründen (= Niedertracht) geschah. Man kann nur hoffen, dass die Staatsanwaltschaft keinen Kuhhandel mit den Ärzten eingeht oder diese am Ende auf Notwehr plädieren und straffrei ausgehen.
4. fahrlässige Tötung??
larry_lustig 27.07.2012
Als Ärzten war ihnen bewusst, dass sie durch die Manipulation der Transplantationsliste andere Menschen in akute Lebensgefahr bringen. Die verantwortlichen haben somit bedingt vorsätzlich gehandelt. Zu dem kommt erschwerend hinzu, dass hierfür Geld geflossen ist. Also Totschlag ist das schon und zwar einer im oberen Strafrahmen.
5. Alles nicht wahr
leser008 27.07.2012
Bei den hohen Fallzahlen werden sich wohl mehrere finden lassen, wo kein anderes Organ verfügbar war und Personen deshalb verstorben sind. Als Arzt weiss man das, also dolus eventualis, und dann sind wir beim Totschlag. Man kann den Tätern nur wünschen, dass sie möglichst lange einfahren und dort ordentlich misshandelt und abgezockt werden. Wobei der eine dürfte sich bald nach Jordanien absetzen und dort weitermachen. Mir kommt das Ganze immer noch vor, wie ein abgeschmackter Horror-C-Film, der nachts auf Vox läuft.
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Organspende-Gesetze in Europa
Erweiterte Zustimmungsregelung
Der Verstorbene muss zu Lebzeiten, z.B. per Organspendeausweis, einer Organentnahme zugestimmt haben. Liegt keine Zustimmung vor, können die Angehörigen über eine Entnahme entscheiden. Entscheidungsgrundlage ist der ihnen bekannte oder der mutmaßliche Wille des Verstorbenen. Dieses Recht gilt in Deutschland, Dänemark, Griechenland, Großbritannien, Irland, der Schweiz und in den Niederlanden.
Widerspruchsregelung
Hat der Verstorbene einer Organentnahme zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen, z.B. in einem Widerspruchsregister, so können Organe zur Transplantation entnommen werden. In einigen Ländern (Belgien, Finnland, Norwegen) haben die Angehörigen ein Widerspruchsrecht. Dieses Recht gilt in Belgien, Finnland, Italien, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Portugal, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn.
Informationsregelung
Auch hier geht der Gesetzgeber grundsätzlich von einer Bereitschaft zur Organspende bei fehlendem Widerspruch zu Lebzeiten aus. Allerdings müssen die Angehörigen in jedem Fall über die geplante Entnahme unterrichtet werden. Ein Einspruchsrecht steht ihnen jedoch nicht zu. Dieses Recht gilt in Frankreich und Schweden.

quelle: deutsche stiftung für organtransplantation (dso); bundesministerium für gesundheit und soziale sicherung


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