Mordserie Mutmaßlicher "Golden State Killer" erstmals vor Gericht - an Rollstuhl gekettet

Ihm werden zwei Morde zur Last gelegt, einer Reihe weiterer Taten wird er verdächtigt: Nun trat der 72-jährige mutmaßliche "Golden State Killer" zum ersten Mal vor Gericht auf. Er wirkte gebrechlich.

REUTERS

Mindestens zwölf Morde und mehr als 45 Vergewaltigungen werden dem" Golden State Killer" in den Siebziger- und Achtzigerjahren in Kalifornien zugeschrieben. Lange schien der Fall unlösbar - bis US-Ermittler am vergangenen Mittwoch überraschend einen Tatverdächtigen präsentierten. Drei Tage nach seiner Festnahme wurde Joseph James DeAngelo am Freitag einem Richter in Sacramento vorgeführt.

Vor Gericht wirkte der orange Häftlingskleidung tragende und mit Handschellen an einen Rollstuhl gefesselte DeAngelo gebrechlich. Bei dem Termin wurde er formell beschuldigt, im Februar 1978 das frisch verheiratete Ehepaar Brian und Katie Maggiore getötet zu haben. Die beiden waren erschossen worden, als sie mit ihrem Hund in einem Vorort von Sacramento spazieren gingen.

Im Video: Dem Täter auf der Spur

DPA/ AP/ FBI

Desweiteren wird DeAngelo verdächtigt, zwischen 1976 und 1986 zehn weitere Morde verübt und viele Frauen vergewaltigt zu haben. Zudem soll er für rund 150 Einbrüche verantwortlich sein. Der 72-Jährige war am Dienstag festgenommen worden, mehr als 40 Jahre nach dem ersten Mord. Die Ermittler kamen ihm auf die Spur, indem sie DNA-Spuren von den Tatorten mit genetischen Profilen einer Datenbank zur Familienforschung abglichen. Wie nun bekannt wurde, hatten die Ermittler dabei zunächst einen anderen Mann im Visier.

Die Polizei im Nachbarstaat Oregon hatte auf Bitten der kalifornischen Fahnder eine DNA-Probe von einem 73-Jährigen in Oregon City verlangt. Ob er die Probe tatsächlich abgegeben hat, ist unklar.

Weitere Anklagen gegen DeAngelo, der früher als Polizist arbeitete, werden erwartet. Derzeit werten Ermittler Unterlagen und Gegenstände aus, die in seinem Haus nahe Sacramento sichergestellt wurden. Dort hatte er offenbar nach dem Ende der Verbrechensserie über viele Jahre unscheinbar gelebt.

Der mutmaßliche Täter hat sich nach Angaben der Behörden bisher kaum zu den Vorwürfen geäußert. Er stehe in der psychiatrischen Abteilung des lokalen Gefängnisses unter ständiger Beobachtung, so der Sheriff von Sacramento County, Scott Jones. Der Verdächtige spreche wenig mit dem Sicherheitspersonal, führe aber immer wieder Selbstgespräche.

Am Rande des Termins äußert sich die Anwältin des Beschuldigten, Diane Howard. Ihr Mandant werde in der Presse vorverurteilt, so ihr Vorwurf. Auch für ihn gelte generell die Unschuldsvermutung.

jok/AFP/dpa

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